Fünf Jahre Landebahn Nordwest

Protest gegen Fluglärm hält an: „Schrei nach Stille“

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Eine Maschine der Lufthansa landetauf der Landebahn Nordwest des Frankfurter Flughafens.

Frankfurt - Mit dem Bau der Landebahn Nordwest, die vor fünf Jahren den Betrieb am Frankfurter Flughafen aufnahm, stieg die Zahl der Starts und Landungen. Für die Anwohner Anlass zu Ärger und Protest. Von Eva Krafczyk und Isabell Scheuplein

Die Fluglärmgegner in Frankfurt und Mainz, in Rüsselheim, Flörsheim und all den anderen betroffenen Orten des Rhein-Main-Gebietes haben eine aktive Woche: Am Montagabend organisierten sie die 50. Mahnwache am Frankfurter Flughafen. Am Freitag und Samstag ist der fünfte Jahrestag der Inbetriebnahme der Nordwestlandebahn Anlass für weitere Protestaktionen. Ihr Motto: "Schrei nach Stille". Die 2800 Meter lange Landebahn, die am 21. Oktober 2011 in Betrieb ging, ermöglicht parallele Anflüge auf der Landebahn Nordwest und der Südbahn.

Waren vor dem Bau der Bahn etwa 90 Flugbewegungen pro Stunde möglich, sollte der zusätzliche Betrieb knapp 130 Starts und Landungen ermöglichen - für die Auslastung des Flughafens und zusätzliche Strecken beziehungsweise Umsteigeverbindungen eine gute Sache. Für die Anwohner in den Gebieten mit Fluglärm sind zusätzliche Flüge hingegen Grund zum Ärgernis. Für Maria Wisch aus Sachsenhausen ist die Welt morgens um fünf nicht mehr in Ordnung: "Um fünf Uhr kommt garantiert ein Flugzeug", sagt sie. "Man wird aus dem Schlaf gerissen, und bis man wieder einschlafen kann, kommt garantiert das nächste, und immer so weiter." In Sachsenhausen seien auch mehrere Altenheime, fügt sie hinzu. "Für die älteren Menschen ist die Lärmbelastung sehr schlimm. Und die können ja nicht so einfach wegziehen."

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"Wir können nicht auf dem Balkon sitzen, im Sommer muss man ab fünf Uhr die Fenster zu machen - es ist unerträglich", klagt eine Teilnehmerin der Mahnwache am Flughafen, die im Stadtteil Niederrad wohnt. "Daran kann man sich nicht gewöhnen, auch nach all den Jahren nicht." Dirk Treber von der Bürgerinitiative gegen Fluglärm in Mörfelden-Walldorf ist auch Mitglied der nun seit 50 Jahren bestehenden Fluglärmkommission. Er ist schon seit 38 Jahren in Initiativen gegen den Flughafenausbau und Fluglärm aktiv, seit dem Streit um die Startbahn West. Er will sich deshalb nicht zu sehr auf die Landebahn Nordwest konzentrieren.

Menschenkette gegen Fluglärm

"So wie die Bahn jetzt ist, werden bestimmte Stadtteile wie der Frankfurter Süden oder auch Flörsheim extrem neu belastet", sagt er. "Es tritt aber an manchen andern Orten auch eine Entlastung ein, etwa in Raunheim oder in Rüsselsheim." Eigentlich müsse der Flughafen zurückgebaut werden, um die Lebensqualität zu erhalten, meint Treber. Der Flughafenbetreiber Fraport plant keine besondere Feier zum fünften Jahrestag der ersten Flüge an der Nordwest-Landebahn. Die Erwartungen an die neue Landesbahn hätten sich erfüllt, sagt ein Sprecher des Konzerns. Die Betriebsabläufe seien reibungsloser, auch bei Wetterkapriolen, die Pünktlichkeit habe sich erhöht.

100. Montags-Demo im Flughafen

Zudem stünden nun Kapazitätsreserven bereit, um das langfristig prognostizierte Wachstum der Flugbewegungen aufnehmen zu können. "Wir haben den Bau der Nordwest-Landebahn immer abgelehnt, dafür aber keine Mehrheiten gefunden", betont dagegen der flughafenpolitische Sprecher der Grünen im hessischen Landtag, Frank Kaufmann, zum Jahrestag der Inbetriebnahme. "Die Entscheidung von CDU, SPD und FDP können wir weder auf rechtlichem Weg noch politisch rückgängig machen." Umso wichtiger sei, dass der Protest der Anwohner anhalte: "Wir brauchen ihn als Unterstützung, um in Verhandlungen mit der Luftverkehrswirtschaft zu erreichen, dass der Lärm begrenzt und die Belastungen verringert werden."

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