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David Garrett bekommt Frankfurter Musikpreis

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Der Musikpreis wurde an David Garrett verliehen.
Der Musikpreis wurde an David Garrett verliehen. © Sutera

Frankfurt - Vor einigen Jahren ereignet sich folgende bezeichnende Szene in einer U-Bahn-Station in Washington: Ein unauffällig gekleideter Geiger spielt wundervoll mehrere Werke des Komponisten Johann Sebastian Bach. Von Sebastian Krämer

Alle drängen vorbei am Weltstar Joshua Bell in die U-Bahn, der am Ende mit knapp dreißig Dollar nach Hause geht. Wolfram Goertz beendet am Freitagabend seine vorzügliche Laudatio damit, dass bei Preisträger David Garrett die U-Bahn leer weitergefahren und alle bei dem Stargeiger stehen geblieben wären. Wie auch die anderen Redner des Abends lobt der wortgewandte Journalist insbesondere Garretts Fähigkeiten als Brückenbauer und Musikvermittler, welche bisherige Genregrenzen überwänden und für fraglich erklärten. In Bezug auf Garrett habe er das Gefühl, dass dieser der Taschenspielertricks eines klassischen Popstars müde sei und lieber im „Olymp der Kunst“ als „unter den Brücken der Kunststückchen“ leben wolle.

Solcherlei Kunststückchen hatten dem Aachener Geiger unter anderem einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde als schnellsten Geiger der Welt beschert. Nach der Ehrung mit dem mit 15.000 Euro dotierten Preis präsentiert der Bambi- und Echopreisträger gemeinsam mit dem französischen Pianisten Julien Quentin Césare Francks wunderschöne Violinsonate in A-Dur in einer ausdrucksstarken Interpretation. Mit aphroditischer Süßlichkeit und einem wohldosierten Vibrato schmiegt sich Garretts Violinton an die modulationsfreudigen Harmonien des Klavierparts.

In der schwebenden Rhythmik des an Beethovens Variationstechnik angelehnten Werkes lässt das Duo sein Publikum Ort und Zeit vergessen. Als Zugabe präsentiert er dem begeisterten Publikum die Legende Op.17 des Geigenvirtuosen Henryk Wieniawski. Nur die wenigsten wissen, dass auch David Garrett ein ausgezeichneter Arrangeur und Komponist ist. So gewann er etwa den Kompositionspreis der New Yorker Juilliard School mit einer Fuge im Bach’schen Stil und arrangiert Titel seines Bühnenprogramms selbst. Nur allzu verständlich also, dass Garret jetzt mit dem Frankfurter Musikpreis ausgezeichnet wurde, der seit 35 Jahren an Akteure der Musikszene verliehen wird – im jährlichen Wechsel an Vertreter des klassischen und popularmusikalischen Bereichs. Die Verleihung am Freitagabend mit 800 Zuschauern in der aus allen Nähten platzenden Paulskirche zeigte eindrucksvoll: Dieser Geiger hätte wohl auch im größten Berufsverkehr für leere U-Bahnen gesorgt.

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