Geschwister stehen vor Gericht

Zuhälter-Prozess: Voodoo-Zauber gegen Opfer?

Frankfurt - Eine 27-jährige Frau aus Nigeria und ihr jüngerer Bruder stehen seit heute wegen Zuhälterei vor dem Landgericht Frankfurt.

Sie sollen zwei Frauen zur Prostitution gezwungen haben und bei einer von ihnen einen Schwangerschaftsabbruch vorgenommen haben. Seit heute müssen sich deshalb eine 27-jährige Frau aus Nigeria und ihr drei Jahre jüngerer Bruder vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, im vergangenen Herbst die 17 und 20 Jahre alten Frauen in ihrer westafrikanischen Heimat zu einer Reise nach Deutschland überredet und in einem Frankfurter Bordell ausgebeutet zu haben.

Den gefährlichen Weg der jungen Frauen durch die Sahara und über das Mittelmeer nach Deutschland soll das Geschwisterpaar vorfinanziert haben - angeblich ging es um 25.000 Euro pro Person. Diese Schulden sollten die beiden Frauen als Prostituierte abarbeiten. Bei einer Voodoo-Zeremonie in Nigeria mussten die Frauen laut Anklage Gehorsam und Arbeitswillen versprechen. Da sie keine gültigen Aufenthaltspapiere in Deutschland besaßen, soll die 27-Jährige eigene Ausweispapiere für die Arbeit der Frauen im Bordell vorgelegt haben. Sie wurden im Januar bei einer Routinekontrolle im Frankfurter Bahnhofsviertel entdeckt.

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Die jüngere der beiden Frauen soll zudem vom Angeklagten entjungfert worden und schwanger geworden sein. Der Schwangerschaftsabbruch wurde laut Anklage gegen den Willen der 17-Jährigen mit Medikamenten vorgenommen. Am ersten Verhandlungstag äußerte sich nur die 27 Jahre alte Angeklagte zu den Vorwürfen. Dass die beiden Frauen sich in Deutschland prostituieren sollten, sei von Anfang an klar gewesen, sagte sie. "Das ist in Nigeria normal, wenn man keine Papiere hat und nicht Deutsch kann", sagte sie. Den Schwangerschaftsabbruch habe die 17-Jährige selbst gewollt. Für das Verfahren sind zunächst zwei weitere Verhandlungstage im September vorgesehen. Angeklagt war auch die Freundin des 24-jährigen Mannes. Gegen sie eröffnete das Gericht das Verfahren jedoch zunächst nicht. (dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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