„Der perfekte Moment ...wird heut verpennt“

Glamouröse Twenties mit Max Raabe

Frankfurt - Gute Laune ist garantiert: Wenn Max Raabe singt, sind Alltagssorgen vergessen. Der Chansonnier versteht es wie kein anderer, den Glamour der Tanzsalons der 1920er und 1930er Jahre wiederauferstehen zu lassen. Von Maren Cornils

Auf das bewährte Rezept, eigene Lieder mit Jazz- und Swing-Titeln sowie Couplets aus den Roaring Twenties zu mischen, setzt sein Programm „Der perfekte Moment. . . wird heut verpennt“, mit dem Raabe und sein Palast-Orchester am Freitag in der Alten Oper Frankfurt gastiert haben. Vom Glück ist viel die Rede, von den Frauen und von der Liebe selbstverständlich. Mal verbeugt sich Raabe in „Du bist meine Greta Garbo“ vor dem Komponisten Robert Stolz, um sich danach wortreich darüber zu beschweren, dass die Angebetete nicht auffindbar ist: „Du stehst nicht im Adressbuch.“

Für jüngere Zuhörer gibt’s vorweg eine Einführung in dieses analoge Medium. So wie sich Raabe überhaupt als Meister knapper, aber pointierter Intros erweist.

Ist die Liebe eher Erfüllung oder eher Leid? Raabe mag dazu nicht Stellung beziehen, präsentiert lieber alle ihre Facetten. Gibt in Adalbert Lutters „Du, Du, Dudel, Du, Du“ den frustrierten Liebhaber, dem ein Rendezvous nach dem nächsten abgesagt wird – und schwärmt dann in „Ich küsse Ihre Hand, Madame“ mit viel Schmalz in der Stimme, begleitet von Trompete und Violine, von den roten Lippen der Auserwählten.

„Ich bin ein Fisch, ein Biber oder ein Bär. Ein Löwe oder eine Möwe. Nur ein Kranich wär’ ich lieber gar nicht“, intoniert Raabe kurz darauf – ein Song, der dem Sänger schon wegen seines Faibles für witzige Reime gut steht. Seine Wandlungsfähigkeit beweist Raabe zudem in dem Lied „Ich bin dein Mann“, in dem er verspricht, sich auf Wunsch des schönen Geschlechts auch in Julius Cäsar oder in den Stromableser zu verwandeln.

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Ob melancholische Nummern à la „Ich sing’ am liebsten, wenn der Mond scheint“, eine nicht ganz so pompöse Version von Arthur Freeds und Nacio Herb Browns Musical-Hit „I’m Singing In The Rain“ oder Willy Rosens „Wenn du mal in Hawaii bist“ – bei Max Raabe und seinem Orchester vergeht die Zeit wie im Flug. Wer die traumhaften Jazz- und Swingmomente verpennt hat, ist selbst dran schuld.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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