Das Offenbacher Unternehmen Kopp ist 100 Jahre alt geworden

Größter Pfeifenimporteur in Europa

Leiten die Kopp GmbH & Co. KG in der vierten Generation: Thilo, Bernd und Oliver Kopp (von links). Fotos: Kopp

Offenbach – Die Offenbacher Firma Kopp GmbH & Co. KG hat im vergangenen Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum gefeiert. Das Unternehmen befindet sich seit vier Generationen in Familienbesitz. Gegründet wurde die Firma 1919 von Martin Wess. VON MARC KUHN

Kurz vor dem Krieg beschäftigte er 100 Mitarbeiter, arbeitete unter anderem als Zulieferer für Goldpfeil und verfügte sogar über eine Dependance in der New Yorker Fifth Avenue.

Sein Enkel Bernd Kopp erinnert sich: „Nach meiner Ausbildung auf der höheren kaufmännischen Handelsschule übernahm ich mit gerade einmal 19 Jahren die Firma, die sich in keiner guten finanziellen Verfassung mehr befand.“ Bis dahin seien Reiseweckeretuis aus Leder der Hauptumsatzträger gewesen, aber als der Quarzwecker den Automatikwecker ablöste, bestand Handlungsbedarf. „Ich war begeisterter Pfeifenraucher. Bei einer Wanderung kam mir die Idee, dass wir uns doch einmal an Pfeifentaschen ausprobieren könnten. Ich beauftragte meinen Feintäschnermeister Kurth mit der Herstellung eines Prototypen und der konnte sich sehen lassen. Die Umstellung der Produktpalette funktionierte erfolgreich und das Geschäft brachte es mit sich, dass die ersten Kontakte zu Pfeifenherstellern geknüpft wurden. Ende der 60er nahm ich erste Pfeifenmarken mit ins Sortiment auf. Später ging ich meine erste Partnerschaft mit dem Pfeifenspezialisten Lothar Otto ein. Nach dem Tod des Partners wurden die Firmen Martin Wess und Otto & Kopp dann im Jahr 2010 zu der heutigen Firma Kopp GmbH & Co. KG fusioniert.“

1979 ergab sich eine weitere Möglichkeit, die Bernd Kopp beim Schopf packte. Der Hamburger Kaufmann Michael Kohlhase suchte einen Partner, um sein Pfeifentabakproduktion fortzuführen. Zu dem Geschäft der Veredlung von Tabaken kam später der Vertrieb von Zigarren dazu. Die Firma zählt heute zu den größten Vertrieben in Europa und verkauft renommierte Marken wie Arturo Fuente, Padron, Maya Selva, Santa Damiana und Flor de Copan. Die Firma befindet sich im Ort Rellingen, vor den Toren Hamburgs. Hier sind 60 Mitarbeiter beschäftigt.

Um Absatzpunkte für die Zigarrenverkäufe zu sichern, stieg Bernd Kopp 2004 bei Abraham Dürninger ein. Das älteste Zigarrenhaus Deutschlands besteht bereits seit 1747. Zum Zeitpunkt des Erwerbs hatte Dürninger 20 Geschäfte, inzwischen wurde das Netz auf 42 Filialen mit 200 Beschäftigten ausgebaut. Ein Drittel der Geschäfte ist im hochklassigen Premiumsegment angesiedelt und verfügt über begehbare Humidore, in denen die Zigarren gelagert werden. Die Firmenzentrale befindet sich in Göppingen. Regionaler Schwerpunkt ist Baden-Württemberg, aber auch in Frankfurt, Neu-Isenburg und Aschaffenburg gibt es Standorte.

Bernd Kopp kann auf ein erfolgreiches Unternehmerleben zurückblicken. Dieses Jahr im Mai feiert er seinen 80. Geburtstag. Noch jeden Tag kommt er ins Geschäft. Aber auch die Betriebsübergabe an die vierte Generation wurde rechtzeitig eingeleitet. Sein Sohn Oliver arbeitet bereits seit 24 Jahren in der Firma, sein Sohn Thilo 14 Jahre. Sohn Oliver betont: „Mit einem goldenen Löffel im Mund bringt man es nicht weit. Wir wurden zur Bescheidenheit erzogen und dürften früh mit anpacken.“

Die Offenbacher Firma ist inzwischen größter Pfeifenimporteur in Europa und drittgrößter auf der Welt. Die Kopp GmbH & Co. KG verkauft im Jahr 30 000 Tabakpfeifen aus dem edlen Wurzelholz der Baumheide. Das Portfolio umfasst alles was Rang und Namen hat: Peterson, Savinelli, Chacom, Butz Choquin und viele mehr. Für das Design und den Vertrieb der Hauptmarke Rattray´s zeichnet Oliver Kopp verantwortlich. Diese wird in über 50 Länder exportiert. Daneben werden in Offenbach auch edle Feuerzeuge und andere Raucherzubehörartikel verkauft. 95 Produktion des Sortiments stammen übrigens aus europäischer Produktion.

In der Offenbacher Zentrale sind zwar nur zehn Mitarbeiter beschäftigt, aber hier laufen alle Zahlen der anderen Partnerfirmen über den Schreibtisch.

Schon früh hat man auf einen professionellen Online-Auftritt gesetzt. „Wir sind bereits dreimal mit dem Shop umgezogen. Es können jedoch nur Händler bei uns einkaufen. Wir haben auch einen Außendienst der knapp 250 Tabakwarenfachgeschäfte in Deutschland, Österreich, Schweiz und den Niederlanden persönlich besucht“, so Thilo Kopp.

Pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum erwarben die Söhne in Bayern eine Produktionsfirma für Pfeifenfilter- und Reiniger. Die dort hergestellten Artikel werden unter dem Namen White Elephant weitergeführt. Das Design wurde komplett überarbeitet. Bei der Firma sind 11 Mitarbeiter beschäftigt. Sie ist der einzige Hersteller von Pfeifenreinigern in Deutschland. Thilo Kopp weist darauf hin, dass man weltweit der einzige Anbieter von Meerschaumfiltern sei, einem hoch absorptionsfähigem Mineral, das in Stollen in bis zu 100 Meter Tiefe abgebaut wird.

Allen Antitabakkampagnen zum Trotz, die Familie ist zuversichtlich. Die Firmengruppe ist breit aufgestellt und finanziell unabhängig. Bernd Kopp betont: „Wir bewegen uns im Genussbereich. Wir haben es mit erwachsenen und kultivierten Konsumenten zu tun. Unsere Kunden müssen nicht rauchen, sondern gönnen sich gerne eine Auszeit, um einen Gang runterzuschalten. Geraucht wurde schon immer. Auch die Ära des Selbstoptimierung wird irgendwann wieder vorbei sein, genauso wie die Prohibtion nicht ewig dauerte.“

Als Nischen- und Spezialanbieter haben sich die Kopps bisher behauptet. Der persönliche Kontakt spielt auch heute noch eine gewichtige Rolle in der kleinen Tabakfamilie. Geschäfte per Handschlag sind gang und gäbe.

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