Großmeister klarer Worte

Kris Kristofferson mit 80 unverwüstlich

+
Kris Kristofferson gab seinen Fans die Ehre in der Jahrhunderthalle Frankfurt.

Frankfurt - Er hat sich recht gut gehalten, der Drogen-, Alkohol- und Werweißwasalles-Vergangenheit zum Trotz. 81 Jahre zählt Kris Kristofferson, ein großer Sänger im konventionellen Sinn ist er nie gewesen, der Faszination seines Vortrags hat es nie geschadet. Von Sebastian Hansen

Inzwischen ist die Stimme brüchig, mitunter krächzend und suchend in der Tonhöhe, der Saal aber ist hingerissen. Nostalgisch ist dieser Abend in der gut besuchten Jahrhunderthalle Frankfurt. Meist steht der Mann im vollen weißen Haar allein mit akustischer Gitarre, gelegentlich mit Mundharmonika auf der Bühne. Für ein paar Songs zu Beginn und am Schluss lässt er sich wie seit ein paar Jahren vom optisch stilechten Düsseldorfer Rockabilly-Kristofferson-Covertrio Rocket to Stardom begleiten. Die Drei machen das prima und lassen ab vom Rockabilly zugunsten eines zeitgemäßen, recht Nashville-fernen Americana-Sounds.

In aller Schlichtheit reiht Kristofferson Lied an Lied, redet wenig, schiebt selten eine humorige Bemerkung ein. „Take the ribbon from your hair“ – etliche Male genügen wenige Worte, und ein Stück wird mit dem Beifall erfreuten Willkommens begrüßt, in diesem Fall „Help Me Make It Through the Night“.

Kristofferson, um 1970 einer der Begründer des Genres Singer/Songwriter sowie zum Kern der Outlaw-Bewegung im Country gehörend, ist ein Großmeister im Finden einfacher, klarer Worte, die alles sagen. Über die Liebe, das Leben und die Endlichkeit. Und das Über-die-Stränge-Schlagen. So weniger Worte es für einen guten Song bedarf, so wenige Akkorde braucht es. Kristofferson hat auch „Feeling Mortal“ (sich sterblich fühlen) im Repertoire, Titelsong des 28. Albums, vor vier Jahren veröffentlicht. Mit „Why Me“ steht ein christliches Bekenntnis am Schluss; in der Zugabe kündet „Please Don’t Tell Me How the Story Ends“ vom Wissen, dass es eine weitere Zusammenkunft womöglich nicht mehr gibt.

Einst verkörperte der als Schauspieler in Kultfilmen wie „Pat Garrett jagt Billy the Kid“ hervorgetretene Texaner das Ideal existenzialistischer Männlichkeit; noch immer strahlt er etwas vom Typus des sanftmütigen Mannsbilds aus. Dem Anschein nach ist der friedlich gewordene Rebell noch mit Freude bei der Sache. Das ergab ein Konzert von anrührender Wärme, über jeden Kitschverdacht erhaben: Wenn schon Nostalgie, dann gern so!

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare