"Es hakt überall"

Al-Wazir im Interview zu den Verspätungen am Flughafen

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Tarek Al-Wazir

Offenbach - Es läuft nicht rund am Airport.  Trotz Nachtflugverbot landen viele Jets zu spät. Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) – im Interview mit unserem Redakteur Peter Schulte-Holtey – zum Potenzial des Flughafens Hahn und den Verspätungen am Frankfurter Flughafen.

Gewinnt der Flughafen Hahn aus Ihrer Sicht – angesichts der Überlastung des Flugraums – an Bedeutung?

Das ist ein schwieriges Unterfangen. Wir haben es derzeit mit einem außerordentlich vielschichtigen Problem zu tun. Und glauben Sie mir: Mich ärgert die aktuelle Situation maßlos. Leider gibt es nicht den einen Schalter, den man umlegen kann, denn derzeit hakt es an allen Ecken und Enden. Dadurch haben die Verspätungen enorm zugenommen – leider auch zwischen 23 und 24 Uhr. Übrigens nicht nur in Frankfurt, sondern an fast allen europäischen Großflughäfen. Landungen in Frankfurt untersagen können wir im Rahmen der geltenden Betriebsgenehmigung nur, wenn die Landung nach 0 Uhr stattfinden würde. Das machen wir auch bereits sehr konsequent. Ob die Maschine dann in Hahn landet oder woanders, entscheidet der Pilot oder die Fluggesellschaft.

Werden Sie empfehlen, konsequenter umzuleiten?

Allein im Juni mussten 21 Flugzeuge statt in Frankfurt in Hahn landen, weil sie von uns keine Landeerlaubnis erhalten haben. Landungen zwischen 23 und 24 Uhr sind dagegen erlaubt, wenn der Flugplan nicht bereits zu eng getaktet wurde. Die Regeln habe nicht ich gemacht, sondern sie wurden 2007 bzw. 2011 in Kraft gesetzt. Es gibt allerdings eine ganze Reihe von Fällen, wo wir die Flugplangestaltung als Grund für die Verspätung vermuten und dagegen rechtlich vorgehen. Das Regierungspräsidium ermittelt derzeit wegen dutzender verspäteter Landungen. Ryanair, Tuifly und auch die Condor haben bereits Vorverlegungen in die Wege geleitet, unser Druck beginnt also zu wirken.

Welche Rolle spielt Hahn beim Blick auf den Ausbau des Airports Frankfurt?

Diese Pläne gab es ja vor Jahren schon einmal. Damals wurde versucht, Frankfurt und Hahn zu einem gemeinsamen Flughafensystem zu verknüpfen. Dies ist jedoch nicht gelungen, weil bei der Fracht der größere Teil nicht in Frachtflugzeugen, sondern im Bauch der Passagierflugzeuge transportiert wird und auch die Passagiere lieber am „echten“ Frankfurter Flughafen abfliegen. In der Folge hat die Fraport ihr Engagement beim Flughafen Hahn beendet. Richtig ist aber auch: Wir sind derzeit in einer außergewöhnlichen Situation, was Verspätungen betrifft. Die Luftverkehrsseite sollte mit höchster Priorität an der Pünktlichkeit arbeiten, weil wir sonst nicht nur über andere Entgelte, sondern eben auch über Änderungen am rechtlichen Rahmen sprechen müssten.  

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