Angeklagter soll zwei Menschen angeschossen haben

Mordversuch unter Rockern: Prozess gestartet

Frankfurt - Rund ein Jahr nach der Schießerei in der Frankfurter Innenstadt hat der Prozess gegen ein Mitglied der Hells Angels begonnen. Gestern wurde am Landgericht Frankfurt die Anklage verlesen. Diese lautet auf versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung.

Als die ersten Polizisten nach den Schüssen auf dem belebten Platz mitten in Frankfurt eintreffen, herrscht Durcheinander. „Chaos und Panik in einer Größenordnung, die ich in keiner Situation zuvor erlebt habe“, beschreibt ein Oberkommissar gestern vor Gericht die Lage am Himmelfahrtstag 2016. Zwei Menschen sind von Schüssen getroffen und schwer verletzt. Schnell stellt sich die Bluttat als Auseinandersetzung im Rockermilieu heraus. Der 27-jährige Beamte ist damals einer der ersten Streifenpolizisten am Tatort. Er zählt zu den vier Zeugen, die das Frankfurter Landgericht am ersten von 16 Verhandlungstagen geladen hat.

Mehr als 70 Zeugen und fünf Sachverständige will die Schwurgerichtskammer hören. Denn der angeklagte Hells Angel (56) schweigt zu den Vorwürfen – es geht unter anderem um versuchten Mord. Der zweite Schütze (38) ist noch auf der Flucht. Die Männer sollen an jenem Nachmittag auf einen weißen Geländewagen geschossen haben. Dessen 41 Jahre alter Fahrer wurde lebensgefährlich, sein 20 Jahre alter Beifahrer auf dem Rücksitz schwer verletzt. Eine Frau auf dem Beifahrersitz blieb unverletzt. Hintergrund waren nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Streitigkeiten zwischen den Rockern. Sie geht von niedrigen Beweggründen aus.

Der Angeklagte mit den langen, dunklen, leicht angegrauten Haaren wirkt locker, zwischenzeitlich sogar fröhlich. Öffentlich aber sagt er kein Wort. Was ist er für ein Mensch? Dazu sollen die ersten beiden Zeugen etwas beitragen: ein 49-jähriger Frankfurter und seine 50 Jahre alte Frau. Der Angeklagte ist der Taufpate der Tochter (25). Man habe sich aber vor 15, 20 Jahren aus den Augen verloren, sagt das Paar. Damals sei der Angeklagte noch verheiratet gewesen. Warum der Kontakt abriss? „Dann ist jeder seiner Wege gegangen: Arbeit, Familie“, sagt der Mann, der den Angeklagten vor gut 30 Jahren beim Jiu-Jitsu kennengelernt hat. Als „nett, lustig, ganz locker“, beschreibt er ihn.

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Zurück zum 5. Mai 2016: Als er mit seinem Kollegen zum Tatort kam, habe der 41 Jahre alte Schwerverletzte vor einem Straßencafé gelegen, berichtet der Polizist im Zeugenstand. Der Motor des weißen Geländewagens mit Frankfurter Kennzeichen und teils getönten Scheiben lief noch. Eine Schusswaffe lag neben dem linken Seitenspiegel, dazwischen Hülsen und „tropfenartige Blutspuren“. Die Windschutzscheibe war von mehreren Kugeln durchlöchert, die Karosserie wies zwei Löcher auf. Der 20-Jährige habe sich in ein Lokal geflüchtet, erinnert sich der Zeuge. Seine Schusswunde am Knie war abgebunden.

„Er hatte Angst um sein Leben“, sagt der Polizeibeamte. Unter Schmerzen und in Panik habe er erzählt, dass er mit seinem Cousin und dessen Freundin am Friedrich-Stoltze-Platz entlang gefahren sei, als plötzlich Männer an einem der Tische eines Straßencafés aufstanden und schossen. Er sei kein Rocker, habe der 20-Jährige betont. Sein Cousin sei früher bei den Hells Angels Turkey gewesen. (dpa)

Rubriklistenbild: © Archivbild: dpa

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