In der Frankfurter Alten Oper

Der Jazzballaden-Erzähler: Gregory Porter begeistert

Gregory Porter sang, begleitet von der Neuen Philharmonie Frankfurt unter Leitung von Vincent Mendoza.
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Gregory Porter sang, begleitet von der Neuen Philharmonie Frankfurt unter Leitung von Vincent Mendoza.

Frankfurt - Eigentlich wollte Jazzstar Gregory Porter Footballspieler werden, was aufgrund einer Schulterverletzung misslang. Nicht auszudenken, was der Musikwelt verloren gegangen wäre. Von Sebastian Krämer

Ob solo oder im Duett mit deutschen Stars wie Ina Müller und Helene Fischer: Der charismatische Afroamerikaner mit dem Schlauchschal und der Ballonmütze hat sich hierzulande seit geraumer Zeit in die Herzen der Musikfans gesungen. Am Montagabend ist die Alte Oper in Frankfurt bis zum letzten Platz gefüllt. Porter serviert mit dem Orchester der Neuen Philharmonie Frankfurt sein „Nat King Cole P. Project“. Das Programm, das sich seinem musikalischem Vorbild widmet, hatte schon beim diesjährigen Elbjazz-Festival in Hamburg begeistert.

Es gibt nicht viele Sänger, die Jazzballaden so nuancenreich erzählen. Keine Frage, der vollbärtige 1,90-Meter-Mann mit dem wuchtigen Körper ist ein Schwergewicht des musikalischen Feingefühls. Bildlich ausgedrückt: Porter versteht es stimmlich, das Volumen eines Öltankers mit der Leichtfüßigkeit einer Ballerina zu verbinden. Mal schmettert er die Schlussteile opernhaft, dann flüstert er die Songzeilen pfirsichweich in die Gehörgänge des Publikums oder begeistert mit gospelartigen Passagen. Beim knapp zweistündigen Auftritt überwiegt das wolligwarme Register des Baritons. Dabei scheint Porter jede Silbe zunächst streicheln zu wollen, bevor er sie in den Saal schubst. Cole-Klassiker wie „Mona Lisa“, „Nature Boy“ oder „Christmas Song“ fehlen nicht.

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Ein Jazztrio und die Neue Philharmonie bieten dem 46-Jährigen das vielschichtige Fundament. Die ausgeklügelten Orchesterarrangements leisten ihren Teil zum kurzweiligen Konzert. Selbst tosender Beifall im Stehen kann Gregory Porter an diesem Abend nicht zu einer zweiten Zugabe bewegen. Das ist ein wenig schade. Allerdings: Wer an die schweren Zeiten denkt, die Porter und seine Familie in den 80er Jahren in Kalifornien durchlitten haben, der gönnt diesem sympathischen Star den Erfolg umso mehr. Sein Bruder wurde angeschossen, Flaschen flogen in die Fenster seines Hauses – Rassismuserfahrungen, die sicher auch Nat King Cole gemacht hat. Ihm widmet der Grammygewinner nicht nur den Abend, sondern auch sein aktuelles Album.

Ob Porter eine ähnlich steile Karriere als Footballspieler hingelegt hätte, wenn er sich nicht verletzt hätte? Die Musik jedenfalls hätte ihn begleitet. In einem Interview sagte Porter einmal, dass er sogar während der Spiele gesungen hat – trotz des Mundschutzes.

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