Auch in Kläranlagen und Grundwasser

Wissenschaftler: „Enorme Mikroplastikfracht im Abwasserstrom“

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Christian Scherer von der Goethe-Universität Frankfurt beschäftigt sich mit Umweltauswirkungen von Mikroplastik.

Offenbach – Herstellung und Entsorgung von Verpackungen belasten die Umwelt. Kleinste Plastikteilchen geraten ins Wasser. Mit Umweltauswirkungen von Mikroplastik beschäftigt sich der Wissenschaftler Christian Scherer von der Goethe-Universität in Frankfurt:

Müssen wir uns auch in Deutschland zunehmend Gedanken über Mikroplastik im Grundwasser und in Kläranlagen machen?

Mikroplastik lässt sich nahezu überall feststellen und beschränkt sich nicht auf Ländergrenzen. Erste Befunde belegen zwar eine Kontamination des Grundwassers mit Mikroplastik, doch sind die ermittelten Konzentrationen äußerst gering – etwa 0.7 Mikropartikel pro Kubikmeter Wasser. Hierbei gelten Abschabungen der entlang der Wasseraufbereitung eingesetzten Kunststoffbauteile als mögliche Emissionsquellen.

Wesentlich belastbarere Daten existieren derweil für Kläranlagen. Über häusliche und industrielle Abwässer wird tagtäglich eine bunte Vielfalt an Mikroplastik zu den Kläranlagen transportiert. Konzentrationen von bis zu 100.000 Mikropartikel pro Kubikmeter Abwasser verdeutlichen die enorme Mikroplastikfracht im Abwasserstrom.

Sind die Gegenmaßnahmen – zum Beispiel Filteranlagen – ausreichend?

Rund 99 Prozent des Mikroplastiks wird entlang der Abwasseraufbereitung entfernt. Nachgeschaltete Klärstufen – zum Beispiel Filtration – können die Emission von sehr kleinem Mikroplastik um zusätzliche 70 Prozent reduzieren. Dennoch dienen Kläranlagen als Eintragspfade für Mikroplastik in Oberflächengewässer.

Plastik lieber recyceln als Bio-Alternativen verwenden

Dies betrifft insbesondere Partikel die kleiner als 25 Mikrometer sind, die aufgrund methodischer Limitierungen nur selten in Monitoringstudien erfasst werden. Somit ist die Entfernung dieser umweltrelevanten Partikelgrößen aus dem Abwasserstrom bislang nur unzureichend geklärt.

Noch eine persönliche Frage: Gelingt es Ihnen in Ihrem Alltag, mehr auf Plastik zu verzichten?

Wenn es Alternativen gibt, dann vermeide ich die Verwendung von Plastikmaterialien. Auch wenn ich als Verbraucher nicht immer die Wahl habe, kann bereits ein bewusster Umgang mit den Plastikprodukten die generierte Abfallmenge merklich reduzieren. Getreu dem Motto: Reduce, Reuse and Recycle – also Reduzieren, Wiederverwenden, Recyceln.

Das Gespräch führte Peter Schulte-Holtey.

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