Klingende Geschenke in klassischer Strenge

Pro-Arte-Konzert:  Russische Nationalphilharmonie in der Alten Oper

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Klaviersolist Lucas Debargue ließ seine hohe Anschlagskultur nur gelegentlich aufblitzen.  

Frankfurt - Der musikalische Gabentisch war angerichtet. Mit Peter Tschaikowskys Suiten der Märchenballette „Dornröschen“ und „Nussknacker“ zollte die Russische Nationalphilharmonie ihrem Landsmann ordentlich Tribut. Von Klaus Ackermann 

Zu dessen Edelsellern zählt auch das Klavierkonzert Nr. 1, an dem der schon hoch gehandelte französische Pianist Lucas Debargue bei Pro Arte in der Alten Oper sein Mütchen kühlte, ohne wirklich zu überzeugen.

Der Weltklasse-Geiger Vladimir Spivakov, auch am Dirigierpult eine Macht, hat die von jungen Musikern aus Moskau und St. Petersburg getragene Nationalphilharmonie zu einem Orchester geformt, das durchweg Charakter bezeugt. Der resultiert nicht zuletzt aus eiserner gestalterischer Disziplin, die selbst weidlich bekannte Tschaikowsky-Perlen zum Erlebnis machen.

Als Stürmer und Dränger erweist sich der 28-jährige Solist in den ersten rauschhaften Passagen des Tschaikowsky-Klavierkonzerts b-Moll, um dann einen Gang zurückzuschalten, wohl auch irritiert von kleinen Ungenauigkeiten im hochvirtuosen Spiel. Davon unberührt bleiben die Nationalphilharmoniker, unter Spivakovs ermunternden Dirigat so sachlich sekundierend, wie das einem russischen Klassiker geziemt. Allein in den Kadenzen zeigt der Franzose viel gerühmte Anschlagskultur.

Nahezu attacca geht’s ins Wiegenlied-entlehnte Andantino mit dem fein ausgesponnenen Dialog von Klavier und Violoncello, dem sich nahtlos das kraftvoll rhythmisch vorangetriebene Allegro con fuoco anschließt, vom Orchester zupackend gestaltet und vom Pianisten mit virtuosen Girlanden versehen. Seine vielen Vorschusslorbeeren kann Debargue allein bei feiner Kost wie der zugegebenen „Nostalgie du pays“ von Milosz Magin bestätigen.

In der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau in die Mongolei

Wer vorweihnachtliches Zuckerwerk erwartet hat, wird von Spivakov angenehm enttäuscht. Schon die Dornröschen-Suite kommt in klassischer Strenge daher, nach Introduction und zauberhafter „Fliederfee“, nach charakteristischen Tänzen und märchenhaften Panoramen in den unsterblichen Walzer mündend. Das hat viel klanglichen Durchzug. Wie auch Tschaikowskys „Nussknacker“ mit dem aparten Harfen-Intermezzo, dem „Tanz der Zuckerfee“ (auf der Celesta), dem „Tanz der Rohrflöten“ (in edler Harmonie) und dem Blumenwalzer, der einem nicht aus dem Ohr geht.

Dann ist es selbst Spivakov wohl zu viel des Guten, der in den Zugaben schräg modernistisch gegensteuert. Mit einem Adagio von Schnittke, einem Intermezzo von Schostakowitsch und einem Walzer von Khatschaturjan – so hart wie eingängig.

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