Sexueller Missbrauch verarbeitet

Kommentar zu Bodo Kirchhoff: Respekt vor Mut und Stil

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Markus Terharn

Zweimal im Leben war Bodo Kirchhoff einfach zu früh dran: Ende der 70er, als er über rast- und gefühllose Sex-Sucher schrieb, wie es heute Michel Houellebecq tut, ohne Anstoß zu erregen. Von Markus Terharn

Und Mitte der 90er, als er sich in seiner Frankfurter Poetikdozentur als Missbrauchsopfer outete, wie es in diesem Jahr sein Kollege Christian Kracht getan hat. Erst nach Bekanntwerden entsprechender Fälle an der Odenwaldschule war die Öffentlichkeit bereit, sich mit Kirchhoffs Essay „Sprachloses Kind – Was damals im Internat wirklich geschah“ von 2010 auseinanderzusetzen. Die Aktualität seines neuen, autobiografischen Romans „Dämmer und Aufruhr“ ist dem Autor fast unangenehm. Muss sie aber nicht.

Der Frankfurter Schriftsteller Bodo Kirchhoff.

Hat er sich des drängenden Themas doch schon angenommen, als es niemand wissen wollte. Dem Schriftsteller Kirchhoff gebührt also doppelter Respekt – zum einen für den Mut zu schonungsloser Offenheit im Umgang mit seinem Schicksal; zum anderen für die ungeheuere sprachliche Genauigkeit, mit der er eine schreckliche Geschichte erzählt, die sich im Grunde jeder Benennung entzieht.

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