Feldmann holt Frankfurt zum zweiten Mal

Kommentar zur OB-Wahl: Neuer Sieg mit alten Werten 

Dass es so laufen würde, musste jedem klar sein. Und deshalb lag Grünen-Urgestein Daniel Cohn-Bendit mit seinem Bonmot, Feldmann sei „die Petra Roth der SPD“, viel näher an der politischen Wahrheit als jene CDU-Granden, die ihrer Kandidatin zwar eine echte Unterstützung im Wahlkampf verweigerten, aber nach dem Achtungssieg Feldmanns im ersten Wahlgang weiter trotzig behaupteten, dieser habe in Wirklichkeit keine Mehrheit in der Stadt. Was für eine Verkennung der Tatsachen. Von Michael Eschenauer 

Denn Feldmann, der ähnlich wie die CDU-Ikone und Frankfurter Oberbürgermeisterin der Jahre 1995 bis 2012, Petra Roth, anfangs auch in den eigenen Reihen unterschätzt wurde, hat alles richtig gemacht. Sein klarer, im Milieu der kleinen Leute verorteter Zielkatalog umfasst bodenständige Themen wie bezahlbares Wohnen, kostenlose Kitas, Kampf gegen Armut, Sanierung der Schulen, billige Fahrpreise. Feldmann wiederholte sie wie ein Mantra, fast schon stur. Und traf damit im OB-Wahlkampf auf eine Herausforderin, die thematisch in der Beliebigkeit verharrte, inhaltlich niemals richtig in Frankfurt angekommen zu sein schien.

Nicht einmal die eigenen Parteifreunde mochten ihr ein überzeugendes inhaltliches Angebot bescheinigen. Hinzu kamen ihr glückloses Agieren mit irrwitzigen Vorschlägen zum Verkauf des Waldstadions und die rechtlich umstrittene Versetzung der wahlkämpfenden Staatssekretärin mit Ruhegehalt in den zeitweisen Ruhestand.

Kein Wunder, dass eine Wechselstimmung nicht aufkommen mochte. Es reichte bei 30,2 Prozent Wahlbeteiligung ja nicht mal zu mäßigem Interesse. Dessen ungeachtet besteht derzeit in der Frankfurter Wählerschaft eine recht eindeutige Präferenz für linke Inhalte – eine Situation in der die fehlende offizielle Unterstützung der Grünen für den SPD-Mann nicht ins Gewicht fallen konnte.

Weyland schöpfte im ersten Wahlgang ihr Potential nur zu zwei Dritteln aus, Feldmann schaffte 90 Prozent. Wer einen Rückstand von 20 Prozentpunkten oder fast 40.000 Stimmen binnen Tagen aufholen will, muss ein starkes Blatt auf der Hand haben, muss mehr anbieten als die Ankündigung, jetzt noch mehr arbeiten zu wollen, mehr sagen, als nur „Die Stadt will den Wandel“. Sie will ihn offensichtlich nicht.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Es folgen also sechs weitere Jahre SPD-Politik in Reinkultur, sechs weitere Jahre Feldmann. Als dieser neue, auf den ersten Blick linkisch wirkende Politiker 2012 antrat und bis zur totalen physischen Erschöpfung Klinken in den grauen Wohnblocks der ärmeren Stadtteile putzte, fragte man noch „Peter wer?“ Als er den smarten Favoriten bei der OB-Wahl und damaligen Innenminister Boris Rhein (CDU) auf die Bretter schickte, grinste niemand mehr. Es war ein Paradigmenwechsel.

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Der anfangs eher spröde Überraschungssieger von vor sechs Jahren vermittelt seitdem besonders den kleinen Leuten in Zeiten, in denen nur die großen Themen und die großen Mundwerke zu zählen scheinen, den Eindruck, hier sei jemand, der ihnen zuhört, der sie vertritt. Mit seinem Erfolg begann deshalb auch die Stabilisierung der Frankfurter SPD nach einer Reihe von Niederlagen in den 90ern. Das Stadtoberhaupt Peter Feldmann ist garantiert nicht frei von Fehlern, sein Wahlergebnis nur ein Blankoscheck. Aber dieser OB lässt der Hoffnung Raum, dass in der Glitzer-Metropole und trendigen Bankencity auch in Zukunft noch Platz sein könnte für die Belange von Herrn Klein und Frau Schmidt.

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