Locker weiterzocken

Kommentar zur Spielhallen-Bilanz

+

Automaten gelten bei Experten als die gefährlichste Variante des Glücksspiels. Etwa jeder Zwölfte, der sein Geld in solche Geräte steckt, wird zum Problem- oder Suchtspieler. Zum Vergleich: Beim Lotto ist es nur jeder 300. Von Christoph Zöllner 

Die 34.000 pathologischen Spieler in Hessen, überwiegend Männer, setzen nicht nur ihre eigene Existenz aufs Spiel, sondern auch die ihrer Partner und Familien. Daher war es auch richtig, dass der Gesetzgeber im Katz- und Mausspiel mit den Spielhallenbetreibern im Sommer nachgelegt hat. Indes hat sich die Hoffnung, dass etwa die Hälfte der Einrichtungen verschwindet, bislang noch nicht erfüllt. Die viel befürchtete Klagewelle der Anbieter ist zwar ausgeblieben, kann aber immer noch anrollen und das hehre Ziel, das Automatenangebot nachhaltig zu verknappen, doch noch gefährden.

Ohnehin steht zu befürchten, dass die bunten elektronischen Verführer nur verlagert werden: von den vergleichsweise wenigen, gut zu überwachenden Spielhallen in zahllose, schwer zu kontrollierende Pseudogaststätten. Gemeint sind nicht die alteingesessenen Lokale mit ein oder zwei Geräten, sondern Einrichtungen, in denen es eigentlich nur ums Zocken geht. In dieser Scheingastronomie verstoßen Betreiber oft gegen Auflagen, wie Razzien belegen: Mal sind dort mehr Spielautomaten aufgestellt als erlaubt, mal sind diese manipuliert oder nicht angemeldet.

Mal fehlt die notwendige Bestätigung der Zuverlässigkeit, mal beschäftigen die Betreiber Angestellte, die gegen das Melde- oder das Schwarzarbeitergesetz verstoßen. Zwar kann man sich als Spieler für die großen Spielhallen sperren lassen, dann aber locker in solch kleinen Spelunken weiterzocken.

Illegales Glücksspiel und Manipulationen: Bilder zu Kontrollen vom Ordnungsamt

Die Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) schlägt vor, dass Geldspielautomaten nur noch mit einer persönlichen Chipkarte bespielt werden können. Das klingt nach einem guten Ansatz. Doch jegliche Einschränkung, jegliches Verbot ist letztlich nur ein Appell an die Kreativität der Anbieter, neue Schlupflöcher zu finden. Geht es doch um sehr viel Geld. Laut HLS sind 2016 mit den Glücksspielautomaten in Offenbach 13,1 Millionen Euro in Spielhallen und weitere 5,9 Millionen Euro in Gaststätten umgesetzt worden. In Hanau waren es 10,1 Millionen und 2,8 Millionen. An Aufklärung und Suchtberatung führt also weiter kein Weg vorbei.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare