Berliner Rap-Legenden begeistern Fans in Jahrhunderthalle

Kool Savas und Sido: Schnell reimende Scharfschützen

Kool Savas (links) und Sido setzen dem Berliner Szenelokal „Royal Bunker“ in Frankfurt ein tönendes Denkmal. J Foto: Sauda
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Kool Savas (links) und Sido setzen dem Berliner Szenelokal „Royal Bunker“ in Frankfurt ein tönendes Denkmal.

Frankfurt - So muss es einmal gewesen sein, in einem Berliner Kellerlokal: Holztische werden beleuchtet von Neonlicht. Am Tresen steht der Nigerianer Jimmi, der die Gäste ins mit Urwaldszenen bemalte Hinterzimmer führt. Auf der Bühne geht manch Rap-Stern auf. Von Sebastian Krämer

Auch wenn dem Kreuzberger Szenelokal Ende der 90er kein langes Leben beschert war und das gleichnamige Label schnell die Segel streichen musste, bedanken sich die Rapper Kool Savas und Sido mit ihrem Album „Royal Bunker“ bei der Talentschmiede. Nach 20 Jahren im Geschäft hat sich einiges geändert; nur der süßliche Geruch von Marihuana in der ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle mag an die Zeiten im Berliner Untergrund erinnern. Als die bombastische Show mit Clips beginnt, gehen Handykameras hoch, um den Moment festzuhalten. Wenig später liefern sich 5000 Zuhörer mit den Legenden einen Gröl-Dialog, der stimmungsmäßig kaum zu überbieten ist. Als Savas seine Reime mit der Präzision eines Scharfschützen in die fetten Beats hämmert, kennt der Jubel keine Grenzen. Da wird mitgewippt, mitgesungen, mitgefeiert. Rasch wird deutlich, dass die Hip-Hop-Größen ein geniales Duo abgeben.

Lichteffekte, Feuerfontänen, Videos oder spontaner Geldregen lassen fast vergessen, dass sich Sido seit seinen Anfängen immer mehr dem Mainstream angenähert hat. Wenig erinnert bei Paul Hartmut Würdig an den progressiven Skandalrapper und seine subversive Aggro-Berlin-Zeit. Die charakteristische Totenkopfmaske ist weißer Kappe und Sonnenbrille gewichen, sein Bart ist grau-meliert, unter dem Pulli ist ein Bauchansatz erkennbar. Auch wenn Sido sein Handwerk immer noch beherrscht und bei einem Titel das Bad in der Menge sucht, wirkt die Darbietung stellenweise gekünstelt, fällt gegen Savas ab.

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Konzert von Sido in der Jahrhunderthalle: Bilder

An Selbstbewusstsein haben beide nichts eingebüßt, wenn sie sich in ihren Texten selbst feiern oder mitteilen, dass 99 Prozent der deutschsprachigen Rapper von ihnen lernen könnten. Tatsächlich bieten sie stimmungsvolle Showelemente und coole Texte. Nur als Sido beim poppigen „Astronaut“ zum Mitklatschen einlädt, mag sich der eine oder andere am falschen Ort wähnen.

Für besondere Begeisterung sorgt der Titeltrack ihres gemeinsamen Albums „Royal Bunker“ am Ende, der sich mit einem Megabass in die Gehörgänge der euphorischen Fans fräst. Der folgende frenetische Jubel zum Schluss des zweistündigen Konzerts ist der beste Beweis dafür, dass dem legendären Bunker mit dieser Tour ein angemessenes Denkmal gesetzt worden ist.

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Kool Savas in der Batschkapp

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