Milben auf dem Vormarsch

Krätze breitet sich in Hessen aus

Frankfurt/Gelnhausen - Die Krätzemilbe breitet sich in Hessen offenbar immer weiter aus. Es gebe tendenziell mehr Fälle der ansteckenden Hautkrankheit, sagte der Seligenstädter Hautarzt Erik Senger vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen in Hessen.

Der in sozialen Netzwerken verbreiteten Behauptung, die Krankheit trete meist in Flüchtlingsunterkünften auf, widerspricht der Arzt aus Seligenstadt: „Die dortigen Fälle haben keine große Relevanz, weil schnell durchgegriffen wird.“ Gefährlicher seien Krätzefälle in Krankenhäusern und Pflegeheimen.
Dass die Krätze sich ausbreitet, belegen Statistiken der Krankenkasse AOK: Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Zahl der Betroffenen fast verdreifacht. Wurden im Jahr 2013 noch für 4 134 AOK-Versicherten Wirkstoffe gegen Krätze verordnet, waren es im vergangenen Jahr 11.127. Auch andere Krankenkassen bezahlen die Behandlung, allerdings erfasst nicht jede Kasse die Fälle statistisch.

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Krätze wird durch die Skabiesmilbe verursacht und übertragen. Krankheitszeichen sind laut dem Robert- Koch-Institut ein Brennen der Haut und Juckreiz, der besonders nachts stark ausgeprägt ist. Es bildeten sich stecknadelgroße Bläschen, gerötete Knötchen oder Pusteln als Reaktion auf Eier und Ausscheidungen der Milben.

Die meisten Krätzefälle 2017 nach absoluten Zahlen der AOK gab es in Frankfurt (1 572), im Main-Kinzig-Kreis (699) und im Landkreis Gießen (654). Gemeldet wurde laut den Gesundheitsämtern aber nur ein Bruchteil. Ein Grund: Die Krätze ist erst seit 17. Juli meldepflichtig bei Bewohnern und Personal von Asylunterkünften, Pflegeheimen und Justizvollzugsanstalten, sagte ein Sprecher der Stadt Frankfurt. Vorher musste die Krankheit nur beim Auftreten in Schulen, Kinderheimen und Kitas mitgeteilt werden.

Dabei gibt es auch Krätzefälle in Flüchtlingsunterkünften. Die Ursache für den Anstieg sei die Zuwanderung aber nicht: „Wir stellen in der deutschen Bevölkerung genau so viele oder sogar mehr Krätze-Fälle fest“, erklärte Senger. Zudem gebe es in Asylunterkünften ein Krisenmanagement, um Krätze einzudämmen. Im Extremfall könnte eine Einrichtung sogar zeitweise geschlossen werden. Relevanter für die Ausbreitung sind laut Senger Krankenhäuser und Altenheime: Dort könne die hochinfektiöse Form der Krätze, die Scabies crustosa, insbesondere bei immungeschwächten Patienten auftreten. Durch den zwangsläufigen Hautkontakt mit dem Pflegepersonal kann diese Form rasch auf andere Patienten oder Kontaktpersonen übertragen werden.

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Die Diagnose der Krankheit fällt nicht leicht; auch die Ansteckungsquelle ist nur schwer herauszufinden: Zwei bis fünf Wochen dauert es von der Infektion bis zu den ersten Symptomen. Dafür müsse aber mindestens zehn Minuten Hautkontakt mit dem Erkrankten bestehen. „Nur durch Händeschütteln wird Scabies nicht übertragen“, sagte Senger. (dpa)

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