Lärmsparend, aber nicht praktikabel

Flugsicherung verabschiedet sich von Anflugverfahren "Point-Merge" 

Frankfurt - Die Frankfurter Flugsicherung (DFS) hat sich offensichtlich von einem Anflugverfahren verabschiedet, das insbesondere dem Main-Kinzig-Kreis und der Gegend um Aschaffenburg Entlastung vom Fluglärm bringen sollte.

Nach einer sechs Jahre dauernden und 2,5 Millionen Euro teuren Untersuchung soll das Anflugverfahren „Point-Merge“ nicht weiterverfolgt werden. Bei der nächsten Sitzung der Fluglärmkommission, so ist zu hören, soll „Point-Merge“ offiziell beerdigt werden. Die DFS wollte die Meldung nicht kommentieren.

Das Verfahren sollte durch höhere Anflugrouten insbesondere Gegenden entlasten, die in größerer Entfernung vom Frankfurter Flughafen liegen. Dabei sammeln sich die Flugzeuge in fächerförmigen, höhenmäßig gestaffelten Flugbögen, von denen sie zu einem festen Treffpunkt, den „Point-Merge“, geführt werden. Dort beginnt eine exakt definierte, kraftstoffsparende Anfluglinie zur Landebahn. Den positiven Lärmeffekt versprach man sich dadurch, dass die „Fächer“ über möglichst siedlungsarmem Gebiet und möglichst hoch liegen. Das System sollte flexibler sein und auch startenden Flugzeugen ein schnelleres Steigen ermöglichen.

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Angeblich soll die DFS Sicherheitsargumente gegen das viel Raum benötigende Verfahren anführen. Außerdem sei es kapazitätsmäßig nicht für den dichten Luftverkehr in Frankfurt geeignet. Einer Entlastung von 400 000 stünde eine Neubelastung von einer Million Menschen gegenüber. Unter anderem beträfe der dadurch stärker verteilte Anflugverkehr den Bereich zwischen Dieburg, Hanau und Aschaffenburg sowie Teile der Wetterau. Weil der Endanflug unverändert bliebe, gäbe es zudem keine Entlastung in flughafennahen Bereichen. 

Überblick über die verschiedenen Verfahren des aktiven Schallschutzes

  • Kontinuierlicher Sinkflug: Selbst große Maschinen können innerhalb gewisser Grenzen im Gleitflug nahezu ohne Schub gen Boden schweben. Allerdings sind die Jets dann schwerer zu steuern, sodass größere Sicherheitsabstände notwendig sind. Das Verfahren wird nach Angaben der Deutschen Flugsicherung in Frankfurt angewendet, allerdings nicht bei starkem Verkehr.
  • Point-Merge: Ist ein Verfahren, mit dem die Flieger nicht erst in unmittelbarer Nähe des Flughafens für die einzelnen Landebahnen gebündelt werden, sondern weiter entfernt an einem Sammelpunkt (Point-Merge) in größerer Höhe (etwa 5000 Meter). Dort formieren sie sich in einer Art Reißverschlusssystem in eine Reihe zum Endanflug. Damit könnte die Lärmbelastung vor allem unter den bisherigen Gegenanflugrouten gesenkt werden. Das Verfahren wurde von der DFS im Simulator getestet – wird jetzt aber offenbar abgelehnt.
  • Steilerer Anflugwinkel: Hebt die Flughöhe ankommender Maschinen an. Die neue Nordwest-Landebahn wird laut DFS seit fünf Jahren in einem Winkel von 3,2 Grad statt bisher 3,0 Grad angeflogen.
    • Bahnen bevorzugt nutzen: Mit dem Programm Dedicated Runway Operations (Drops) soll der Lärm gleichmäßiger verteilt werden. Derzeit wird dieses Verfahren laut DFS in den Randstunden frühmorgens angewendet.
  • Satellitengestützter gekurvter Anflug: Vermeidet das Überfliegen dichter Siedlungsräume wie Hanau, Offenbach und Mainz. Allerdings verringert sich die Kapazität der Anflugrouten. Bis zum Inkrafttreten des Nachtflugverbots wurde dieses Verfahren in den Nachtstunden angewendet. Das sogenannte Segmented APP wird inzwischen nach 23 Uhr genutzt – und zwar für diejenigen Flugzeuge, die Ausnahmen vom Nachtflugverbot für sich geltend machen. (mic/psh)

Rubriklistenbild: © dpa

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