Lässt Abgas aus Kraftwerk Äpfel faulen?

Frankfurt/Rhein-Main - Neben tausenden Seiten Gutachten, Einwendungen und Debattenbeiträgen gehört auch ein fauler Apfel zum Protokoll über den Erörterungstermin im Rahmen des Raumordnungsverfahrens für den von der Firma E.ON in Großkrotzenburg geplanten neuen Kraftwerksblock. Von Erwin Diel

Die Frucht von einer Großkrotzenburger Streuobstwiese weist eine eigentümlich schwarz-marmorierte Schale auf, verursacht, vielleicht, durch Abgase aus dem nahen Kohlekraftwerk. Zu Protokoll gegeben hat den Apfel Rechtsanwalt Matthias Möller-Meinecke, der eine Reihe von Kommunen in dem Verfahren vertritt. Ob seine Behörde der Apfelfäule per Gutachten auf den Grund geht, ließ Regierungspräsident Gerold Dieke gestern offen. Am siebten Verhandlungstag zog der Behördenchef in der Klein-Krotzenburger Kreuzburghalle eine Zwischenbilanz des Erörterungstermins.

Das Raumordnungsverfahren für den geplanten Steinkohleblock war von Wirtschaftsministerium angeordnet worden. Es soll prüfen, ob das Vorhaben mit den Zielen der Landesplanung in Einklang steht. Am Ende des Verfahrens wird das Regierungspräsidium eine landesplanerische Beurteilung abgegeben. Mit einem Ergebnis sei im Sommer zu rechnen, sagte Dieke.

Der Erörterungstermin sei durch eine überwiegend sachliche Debatte geprägt gewesen. Bisher seien 70 bis 80 Prozent der Tagesordnung abgearbeitet, sagte der Behördenleiter. Im Rahmen des Raumordnungsverfahrens hatte es mehr als 7 000 Einwendungen gegeben, die nun besprochen werden. Die Erörterung dauert vermutlich noch bis kommende Woche.

Der Publikumsandrang in der Halle ist eher gering. Lediglich als über die vom Kraftwerk ausgehenden Emissionen und mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen im Umfeld debattiert wurde, seien mit 70 bis 80 Interessierten mal mehr Zuhörer gekommen, sagte Verhandlungsleiter Fritjof Grimm.

Seine Behörde habe bei dem Erörterungstermin wichtige neue Erkenntnisse gewonnen, erklärte Dieke. Es deute sich an, dass einige Punkte noch weiter aufgeklärt werden müssten. Dazu zähle unter anderem die Kühlturmtechnik und die Verteilung der vom Kraftwerk abgegebenen Schadstoffe in der Umgebung.

Die Ergebnisse des Raumordnungsverfahrens seien juristisch nicht überprüfbar, sagte Dieke. Es sei ein rein behördeninternes Verfahren. Entscheidend für den Bau des Kraftwerksblocks sei das von E.ON zu beantragende immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren.

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