Entdeckungen und Glücksgriffe

Lange Nacht des schönen Gesangs in der Alten Oper

Frankfurt - Man nehme fünf bühnenerprobte Sänger, ein Gastspielorchester wie die Thüringen Philharmonie Gotha-Eisennach, einen Chor vom Rang der Frankfurter Singakademie und einen umsichtigen Dirigenten wie den mit Heusenstamm eng verbundenen Hans-Friedrich Härle – und eine unterhaltsame Operngala ist programmiert. Von Klaus Ackermann

Die lange Nacht des Schöngesangs, kundig beplaudert von Claudia Grundmann, fand in der Alten Oper statt. Vor einem Publikum, das mit Bravos nicht geizte.

Zum Mitpfeifen schon die Ouvertüre zu Rossinis „Diebischer Elster“, mit der Thüringens Philharmoniker den Sänger-Laufsteg klanglich dekorieren, den Elena Mosuc erobert. Mit stabilem Sopran und breitem Vibrato knüpft die Rumänin in „Still war die milde Nacht“ zarte Bande zu Verdis „Troubadour“.

Ein Glücksgriff ist der deutsch-brasilianische Tenor Martin Muehle, der in der Arie des Cavaradossi „Und es leuchteten die Sterne“ aus Puccinis „Tosca“ Stimmvermögen nachweist. Dazu passt Toscas Arie „Vissi d’arte“, in der die Brasilianerin Claudia Riccitelli mit dunkel timbrierten Sopran zu schwelgen versteht. Beide liefern einen Höhepunkt in der Eifersuchtsszene aus „Cavalleria rusticana“ von Mascagni.

Eine Entdeckung ist der rumänische Koloratursopran von Mirella Bunoaica, nun im Ensemble der Stuttgarter Staatsoper. Mit „Ah! Je veux vivre“, Arie aus Gounods „Roméo et Juliette“, und vor allem mit „Regnava nel silenzio“ („Er herrschte in der Stille“) als „Lucia di Lammermoor“ von Donizetti schlägt sie die Zuhörer in Bann.

Höchste Zeit für Adventliches von der Frankfurter Singakademie, die Händels „Tochter Zion“ und das „Gloria“ im Strophenlied „Lasset uns nach Bethlehem ziehen“ reinzeichnet. Hier mit dem Bariton Eike Wilm Schulte im Bunde. Ein Routinier, der mit seiner Parade-Arie aus Rossinis „Barbier“ das Publikum mühelos um den kleinen Finger wickelt.

Lust auf mehr machen die Thüringer mit dem Vorspiel zu Humperdincks „Hänsel und Gretel“. Während Sopranistin Elena Mosuc mit der klanglich deftigen Vokalise „Per una Sognatrice Poesia“ von Flavio Motalla sogar eine Uraufführung beisteuert. Händels beschließendes „Halleluja“ ist dagegen angenehm rank und schlank.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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