Zoo-Direktor Manfred Niekisch geht in den Ruhestand

Ein Leben für den Artenschutz

Zoodirektor Mandfred Niekisch
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Manfred Niekisch, Direktor des Frankfurter Zoos, vor dem Bonobo-Gehege. Nach zehn Jahren als Direktor geht Niekisch nun zum Ende des Jahres in den Ruhestand.

Frankfurt - Tierfreund, Naturschützer, Umweltforscher: Fast zehn Jahre lang war Manfred Niekisch als Direktor des Frankfurter Zoos für rund 4500 Tiere verantwortlich. Nun geht er in den Ruhestand. Von Eva Krafczyk

Fast zehn Jahre lang war Manfred Niekisch Direktor des Frankfurter Zoos und veränderte mit zahlreichen neuen Tieranlagen das Gesicht der Einrichtung grundlegend. Zum Jahresende geht der 66-Jährige in den Ruhestand. Dem Naturschutz bleibt der Biologe, Hochschullehrer und Zoomanager erhalten: Etwa als Vizepräsident der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft, als Mitglied des Sachverständigenrates für Umweltfragen und des Wissenschaftlichen Beirats Waldpolitik des Hessischen Landesnaturschutzbeirats. "Insofern werde ich weiter sehr aktiv sein, mich aber natürlich nicht in die Arbeit des Zoos weiter einmischen", versichert Niekisch zum Abschied.

Im Frühjahr 2008 folgte Niekisch dem Ruf nach Frankfurt aus Greifswald, wo er als Hochschullehrer arbeitete - und zwar sehr gern, wie er betont. Die Leitung des Frankfurter Zoos war allerdings ein Traumjob. Nicht nur, weil er als Junge von seinem wohl bekanntesten Amtsvorgänger Bernhard Grzimek fasziniert war, sondern vor allem wegen der Aufgabe, "den Frankfurter Zoo wieder zu einem Zentrum des Natur- und Artenschutzes zu machen", sagt Niekisch im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Natur- und Artenschutz - das stand das ganze Berufsleben hindurch für Niekisch im Vordergrund, auch bei seiner Arbeit für die Naturschutzorganisation WWF oder als wissenschaftlicher Geschäftsführer der Tropenwaldstiftung OroVerde. Faszinierende Tierbeobachtungen auf allen Kontinenten prägten auch seine Vorstellungen für die Umgestaltung des Zoos. "Die Menschen, die zu uns in den Zoo kommen, kommen teils aus emotionaler Tierliebe oder aus Neugier, dem muss man Rechnung tragen", sagt er. Vor allem wollte er den Zoo aber so gestalten, dass sich die Tiere wohl fühlen. "Die Tiere sollen sich bei uns nicht als Gefangene fühlen, sondern als Territoriumsbesitzer, und ich glaube, dass uns das hier in Frankfurt ganz gut gelungen ist."

Niekisch fand dafür im Frühjahr 2008 eine gute Situation vor. Denn er erhielt er vom damaligen Magistrat 30 Millionen Euro, um die wichtigsten Innovationen einzuleiten. Dazu gehörte etwa das im Juli 2013 eröffnete Ukumari-Land als Anlage für die Brillenbären und Brüllaffen, die damals als eine der modernsten ihrer Art galt. Die neuesten Mitbewohner dort sind vier südamerikanische Waldhunde. Wichtig sei, dass die Tiere auch genügend Rückzugsmöglichkeiten haben, wenn sie nicht gesehen werden wollen, betont Niekisch.

In seiner Amtszeit wurde auch der Borgori-Wald als Heimat der Menschenaffen eröffnet, die neue Pinguin-Anlage soll vom Sommer kommenden Jahres an den Tieren viel Platz und den Besuchern viele Beobachtungsperspektiven geben. Zumindest als Entwurf gibt es bereits Pläne für den Ausbau der Löwenanlage, die auch den aktuellen Haltungsempfehlungen genügt.

Bei allen Umbauprojekten sieht Niekisch aber auch im eigenen Haus noch einiges im Argen, allen voran das Flusspferdehaus. Ein Musikprofessor habe sich zwar ganz begeistert über die Akustik in dem gekachelten Tierhaus geäußert. "Aber das ist nicht das, was unsere Flusspferde interessiert", räumt er ein. Angesichts begrenzter Geldmittel sei das Haus so gut wie möglich verbessert worden. Doch dass Flusspferddame "Petra" alleine lebt - "das kann keinem, der was von Tieren versteht, gefallen." Aber die Anlage sei zu klein, um ein neues Flusspferd dazu zu holen - und Petra zu alt, um noch einmal in einem anderen Zoo ein neues Zuhause zu finden.

Bilder: Frühling im Frankfurter Zoo

Doch auch wenn Niekisch weiterhin Bau- und Handlungsbedarf sieht, würdigt die Frankfurter Kulturdezernentin zum Abschied vor allem seine Umgestaltung des Zoos: "Er hat in seiner neuneinhalbjährigen Amtszeit alles dafür getan, den Zoo beständig weiter zu entwickeln und auszubauen", lobt Ina Hartwig (SPD). Ganz besonders aber sei sein weltweites Engagement hervorzuheben: "Professor Niekisch setzte sich in zahlreichen nationalen und internationalen Gremien von Zoo- und Naturschutzorganisationen für den Schutz und den Erhalt unserer bedrohten Tierwelt ein."

Einen ganz besonderen Liebling habe er nicht unter all seinen Zootieren, versichert Niekisch im Rückblick auf seine Amtszeit. "Ein Zoodirektor muss ja alle seine Tiere lieben und dafür sorgen, dass es ihnen gut geht. Man kann ja auch nicht in einer Familie sagen: Dieses Kind ist mir lieber als das andere." Als Besucher wird Niekisch den Frankfurter Zoo keinesfalls aus den Augen verlieren - auch wenn ihn seine nächsten Projekte unter anderem auf seinen Lieblingskontinent Südamerika führen: In Brasilien will er eine befreundete Leiterin eines Vogelparks als Berater bei Bemühungen um den Erhalt des atlantischen Küstenwalds unterstützen. (dpa)

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