Im Frankfurter Gallusviertel

Lidl baut „Kaufen-plus-Wohnen“-Filiale

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Diese Computer-Darstellung zeigt die Metropolfiliale des Discounters Lidl in Frankfurt Niederrad.

Frankfurt - Das Konzept der Kombination von Supermarkt und Wohnraum ist keine Zukunftsmusik mehr. So hat beispielsweise der Discounter Lidl nach eigenen Angaben in den zurückliegenden Jahren mehr als zehn vergleichbare Projekte realisiert.

Dabei entstanden nach Aussage von Stephan Luxem, Leiter des Lidl-Immobilienbüros Rhein-Main, neben neuen Filialen zusätzlich Büros, eine Kindertagesstätte im Obergeschoss oder ein Kinderspielplatz samt Grünfläche auf dem Dach. Für Schlagzeilen in der Region sorgt derzeit das noch in Planung befindliche Projekt, gemeinsam mit der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG Holding im Frankfurter Gallusviertel eine Filiale mit 110 Wohnungen zu bauen. Zudem hat man bei Lidl das Konzept der „Metropolfiliale“ entwickelt. Sie entsteht unter anderem im „Lyoner Quartier“ in Frankfurt-Niederrad und benötigt mit 3000 Quadratmetern nur die Hälfte an Grundfläche eines Standard-Discounters. Bei ihr parken die Kunden ebenerdig und fahren per Rolltreppe in die Verkaufsräume im ersten Stock.

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Bei der geplanten „Kaufen-plus-Wohnen“-Filiale an der Mainzer Landstraße dagegen entstehen nach dem Abbruch des bestehenden Komplexes zwei Gebäude auf einem 7700 Quadratmeter großen Grundstück. Im vorderen Gebäude an der Mainzer Landstraße soll sich der Discounter ebenerdig mit 40 Wohnungen im ersten Stock präsentieren. Geparkt wird in einer Tiefgarage. In einem zweiten reinen Wohngebäude ist Platz für 70 Einheiten. Anbieten will man Ein- bis Vierzimmer-Wohnungen. Die Anlieferzone wird schallgeschützt „eingehaust“. Zur Investitionssumme macht der Konzern keine Angaben.

Nach Aussage von Lidl-Sprecher Luxem soll Anfang 2019 der Bauantrag bei der Stadt Frankfurt eingereicht werden. Das Projekt, bei dem man Wohnungen mit einem „sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis“ anbieten werde, die man selbst vermiete, sei von der Stadtverwaltung positiv begleitet worden, heißt es. Integrierte Projekte nach diesem Strickmuster bereitet man nach Aussage des Sprechers derzeit in Hamburg, München, Düsseldorf und Berlin vor.

Küche to go - Umziehen mit Konzeptmodellen

„Immer mehr Menschen ziehen in die Ballungsräume und benötigen Wohnraum und zentrale Nahversorgung. In den hochverdichteten Lagen gibt es jedoch kaum unbebaute Grundstücke. Daher liegt es nahe, diese wenigen freien Grundstücke mit Immobilien für kombinierte Nutzung zu bebauen“, erklärt Lidl zur Motivation des Unternehmens. Kombi-Konzepte ermöglichten dem Discounter, neue Standorte in sehr dicht besiedelten Quartieren zu erschließen. Luxem erklärt: „So können wir dort sein, wo unsere Kunden uns als Nahversorger brauchen, wir können attraktive Einkaufsbedingungen bieten und gleichzeitig einen Mehrwert für die Quartiersentwicklung schaffen.“ Die Standard-Filiale mit vorgelagertem Parkplatz als „Solitär“ oder der Standort in Fachmarktzentren sei in Randlagen, kleineren Städten und auf dem Land aber weiterhin eine Option.

Auch andere Discounter warten nicht untätig. So hat etwa Norma im Obergeschoss einer Filiale in Nürnberg eine Kindertagesstätte errichtet, Wasserspielplatz auf dem Flachdach inklusive. Ferner hat die Handelskette auf dem Grundstück auch den Neubau von einigen Reihenhäusern und Geschosswohnungen geplant. Das Projekt sei Vorbild für weitere Filialen gerade in Bayern, heißt es von einem Sprecher. Aldi Süd hat ähnliche Pläne: In Ballungsräumen wie Köln oder München würden Filialen in Kombination mit Wohnungen realisiert, teile das Unternehmen mit. Teils verhalten sich die Discounter aber auch diplomatisch, um bei zögerlichen Kommunen die Bereitschaft zur Genehmigung größerer Einzelhandelsflächen durchzusetzen. (mic)

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