Konstantin Wecker in Alter Oper politisch und poetisch

Lieder gegen rechts

Frankfurt - Auch wenn es wunderschöne Werke in d-Moll gibt, kann ein Musiker diese Tonart nach Ansicht Konstantin Weckers nicht mehr verwenden. Von Sebastian Krämer 

Schließlich bestehe der d-Moll-Dreiklang aus den Tönen „a“, „f“ und „d“, welche für einen demokratischen Musiker in dieser Kombination ein Tabu darstellten. Dem Münchener Liedermacher scheint es bei seinem Konzert in der Frankfurter Alten Oper ein besonderes Anliegen zu sein, auf die Gefahr von rechts aufmerksam zu machen. Aus diesem Grund stellt er das Protestlied „Ich sage nein“ an den Anfang seines ausverkauften Auftritts. Der Text fordert dazu auf, gegen all jene aufzustehen, die über Menschenrechte lachen und in lauten Tönen saufend ihrer Dummheit frönen. Das gute Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl beschäftigt und ärgert den 70-Jährigen. „Man kann seitdem nicht mehr sagen, dass wir Deutschen aus unserer Vergangenheit gelernt hätten“, wettert der Sänger.

Neben gesellschaftskritischen Ansagen und Liedtexten lädt Wecker sein fasziniertes Publikum zum Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte ein. Selbstkritisch fragt er sich: „Was habe ich nicht alles getan, um diese 70 nicht mehr zu erreichen?“ Da dürfen ein paar ältere Kostbarkeiten wie das vor einem halben Jahrhundert komponierte „Ich singe, weil ich ein Lied hab“ nicht fehlen. Dabei habe er es als Ritterschlag empfunden, dass die große argentinische Sängerin Mercedes Sosa es ins Spanische übersetzte.

Seit seinen Anfangsjahren hat der engagierte Friedensaktivist nichts an Wortwitz und politischer Schärfe verloren. Meisterhaft versteht es der diesjährige Gewinner des Bayerischen Staatspreises für Musik, mit geschmackvoll ausgewählten Aphorismen und Auszügen sowie einem ausgewogenen Programm eine intime Atmosphäre aufzubauen, die der begeisterten Zuhörerschaft einen kurzweiligen 150-minütigen Abend beschert.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Interessant eine eingespielte Aufnahme mit Weckers Vater, bei welcher der kleine Konstantin mit dem studierten Opernsänger ein Duett aus „La Traviata“ singt. Mit Stolz erzählt er von diesem Mann, der sich zu einem wahren Weisen entwickelt habe. Zu Puccinis Arie „Nessun dorma“ liest er einen persönlichen Text über seinen Vater, in dem er erklärt: „Ach Gott, hab ich ihn lieb!“

Besonders eindrucksvoll inszeniert und vertont Wecker „Der Krieg“ von Georg Heym. Auf der Bühne ist es dunkel, die Musiker sind schwach beleuchtet, langsam lässt Wecker den Krieg auftreten und sorgt im Auditorium angesichts der aktuellen politischen Lage für Gänsehaut. Dass die Mischung aus Liedermaching, Liebesliedern, Protestsongs, Rock und Blues ihre volle Wirkung entfalten kann, ist auch dem äußerst flexiblen Ensemble zu verdanken, das mit wunderschön arrangierten Streichersätzen begeistert, die Weckers lyrische Tenorstimme wunderbar veredeln. Auch ohne d-Moll lässt Wecker an diesem Abend keine Wünsche offen und wird mit Ovationen im Stehen gefeiert.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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