Literweise Forschungsmaterial

Senckenberg-Gesellschaft spürt genetischen Fußabdruck in Teichen auf

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Herpetologe Martin Jansen vom Senckenberg Forschungsinstitut setzt auf eine besondere Forschungsmethode, die nun auch in hessischen Teichen und Tümpeln angewendet werden soll. Es geht um die Analyse der Umwelt-DNA in Wasser.

Frankfurt -  Einmal in den Teich gespuckt, schon ist der genetische Fußabdruck hinterlassen? Tatsächlich lässt sich mit Wasserproben viel über die Bewohner eines Sees herausfinden. Wie zuverlässig das im Vergleich zu herkömmlichen Beobachtungen ist, haben nun Forscher untersucht. Von Eva Krafczyk 

Sein Büro ist bei der Frankfurter Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung untergebracht, doch regelmäßig verschlägt es Martin Jansen in die bolivianische Savanne: Der Herpetologe ist Experte für tropische Frösche. Eine nun mit seinem Kollegen Miklós Bálint erprobte Forschungsmethode soll künftig allerdings auch an hessischen Teichen und Tümpeln zur Anwendung kommen. Dann ist das Untersuchungsmaterial gleich literweise mit Informationen über die dort vorhandenen Frösche, aber auch andere Tiere, zugänglich.

„Wir wollen die Methode auch hier in Deutschland, besonders in Hessen, anwenden“, sagt Jansen. „In zwei Wochen Feldarbeit lässt sich ein unglaublich großes Gebiet abdecken. Wir haben dann in relativ schneller Zeit Ergebnisse, was in diesem oder jenem Tümpel lebt.“

Worum genau geht es? Die Forscher nehmen Wasserproben – und gelangen so gewissermaßen an die genetischen Fußabdrücke der Teichbewohner; Umwelt-DNA oder e-DNA nennt sich das. Denn auch Kot, Hautpartikel und ähnliche Stoffe, die genetisches Material enthalten, befinden sich im Teichwasser.

„Eine Wasserprobe enthält eine Ansammlung organischen Materials der Frösche, die sich im Teich aufgehalten haben. Aus diesem Potpourri kann man das Erbgut der Frösche isolieren und mit Datenbanken abgleichen, um die Arten nachzuweisen“, erklärt Bálint, der am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum arbeitet. Schon kleine Molekularsequenzen seien geeignet, um Froscharten zuverlässig zu bestimmen

Herkömmliche Untersuchungsmethoden bedeuten vor allem, genau hinzuschauen und zuzuhören: Bisher wurden Froscharten vor allem anhand von Sichtungen und Froschrufen identifiziert. Beim Vergleich stellten Jansen und Bálint nun fest: Die Ergebnisse aus den Wasserproben waren zuverlässig und obendrein effizient. Wasser zu entnehmen dauert nun mal nicht so lange, wie stundenlang auszuharren und auf den Ruf eines bestimmten Frosches zu warten. Zudem könnten Kaulquappen oder Larven leichter übersehen werden.

Spinnen und Skorpione im Senckenberg-Museum

Allerdings hat auch die Wasserproben-Untersuchung ihre Schwächen, räumt Jansen ein: „Wenn ein Frosch nur am Teichrand sitzt und nie mit dem Wasser in Berührung kommt, finden wir ihn auch nicht in der Wasserprobe.“

Dennoch: Wenn mit Hilfe von Umwelt-DNA aus Wasserproben relativ zügig das Vorkommen von Fröschen in den jeweiligen Teichen erfasst werden kann, lässt sich auch rascher feststellen, welche Auswirkungen ein trockener und heißer Sommer wie der diesjährige für die Teichbewohner hat – und was das wiederum für Froschjäger wie beispielsweise Störche bedeutet.

„Wir würden gern wissen, wie es den Amphibien in Hessen nach diesem Sommer geht“, sagt Jansen. Doch auch für die Ausweisung von Schutzgebieten, ob nun in Deutschland oder in den Tropen, sind Monitoring-Ergebnisse von Bedeutung, gilt es doch festzustellen, wo ein besonderes Schutzbedürfnis vorliegt. (dpa)

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