Madame im Blumenmeer

Mireille Mathieu macht auf Welttournee in Frankfurt Station

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Die Französin faszinierte mit enormer stimmlicher Ausdruckskraft und einem äußerst vielfältigen Repertoire.

Frankfurt - Blumen, Blumen, Blumen. In den vergangenen Jahren hat wohl kaum eine Künstlerin so viele Sträuße auf der Bühne der Jahrhunderthalle erhalten wie Mireille Mathieu, die anlässlich ihrer Welt-Tournee dort zu Gast war. Von Thomas Ungeheuer 

Es erstaunt, welch unterschiedliche Gesichter die 1946 in Avignon geborene Französin hat. Bevor ihr Konzert beginnt, werden auf einer großen Leinwand viele Fotografien von ihr gezeigt. Keineswegs ist die Sängerin darauf immer mit schwarzen Haaren, die sie im Pagenschnitt trägt, zu bewundern. Mal hat sie einen sportlichen Kurzhaarschnitt, ein andermal ist das Haar rot und lang. Aber stets wird die Künstlerin als junge Frau zu sehen.

Heute mag Mathieu zwar einige Falten haben, ihre Stimme aber hat nichts an Klarheit, Volumen und Frische verloren. Sogar strahlend wirkt der Gesang bei „Il faut croire“, „Tous les Enfants chantent avec moi“ und „La Paloma ade“. Mit diesen Liedern beginnt eine Zeitreise in die Vergangenheit.

In der Tat klingt die Musik ihres 14-köpfigen Orchesters ganz im Sinne der Originale. Nostalgie wärmt das Publikum. Wobei die Klänge von klassischen und elektrischen Instrumenten keineswegs angestaubt wirken. Und Mireille Mathieu selbst? Die Sängerin im schwarzen Kleid nimmt sich eher zurück. Während sie Lieder wie „Una Canzone“ oder „Es geht mir gut, merci Cheri“ vorträgt, macht sie nur wenige Schritte auf der Bühne. Ausladende und dramatische Gesten setzt sie sparsam ein. Es ist die große Ausdruckskraft ihrer Stimme, die das Publikum fasziniert, das sich immer wieder erhebt und der Frau, die weltweit rund 190 Millionen Tonträger verkauft hat, ausdauernd Beifall spendet.

Fast nach jedem Lied kommen mehrere Fans an den Bühnenrand, um dem Star ihre Blumen und Geschenkpäckchen zu überreichen. Einmal klemmt sich der „Spatz von Avignon“, wie Mireille Mathieu in Deutschland genannt wird, sogar neun Blumensträuße unter das Kinn. Insgesamt werden es sicher 70 bis 80 Sträuße während des über zweistündigen Konzerts werden, die die Beschenkte einem Assistenten gibt.

„Dankeschön“ ist eines der wenigen deutschen Worte, die Mathieu benutzt. Ob sie die Sprache wirklich beherrscht, spielt auch gar keine Rolle. Wenn die 1,53 Meter große Frau „Hinter den Kulissen von Paris“ singt, versteht man jedes Wort. Dabei hatte zunächst die Schlagersängerin Katja Ebstein 1969 diesen Titel für die Französin eingesungen und Mireille Mathieu hatte ihn phonetisch nachgesungen.

Sehr gern hört man dieser Frau zu. Ungemein vielfältig ist das Programm, das sie mit sichtbarer Freude absolviert. Immer wieder breitet sie die Arme weit aus, als wolle sie ihr Publikum umarmen. Bei all dem darf natürlich eine Hommage an ihr großes Vorbild Edith Piaf nicht fehlen. „Non je ne regrette rien“ gelingt großartig. Viel Stolz ist aus ihrer Interpretation des Klassikers herauszuhören. Und doch berührt „Maman la plus belle du Monde“ das Lied, das der viel umjubelte Star des Abends seiner 2016 verstorbenen Mutter gewidmet hat, um ein Vielfaches mehr.

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