Sachsenhausen

Mainkai-Sperrung: Ortsbeirat will Sperrung aufheben

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Seit Wochen ein Ärgernis: die Mainkai-Sperrung.

Der Ortsbeirat 5 hat sich dafür ausgesprochen, dass die nördliche Mainkai-Sperrung aufgehoben werden muss, sollte sich die Verkehrssituation im Frankfurter Süden nicht bessern. Doch auf einen gemeinsamen Antrag konnte sich das Gremium nicht verständigen.

Frankfurt - In der Bürgerfragestunde der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) ging es gut eine Stunde lang nur um das Thema Mainkai-Sperrung. Ein halbes Dutzend Bürger waren gekommen, um in der Sache vorzusprechen. Auch der Vorsitzende der Sachsenhäuser CDU, Jochem Heumann, und der Chef der Römerfraktion der Bürger für Frankfurt, Mathias Mund, äußerten sich. Heumann verlangte den sofortigen Stopp der Sperrung.

Die Umwegkilometer, die durch die Sperrung gefahren würden, seien eine "Schippe Dreck oben auf die ohnehin bestehende Abgasbelastung in der Stadt - und das in diesen Zeiten!" Sein flammendes Plädoyer erhielt Applaus bei den Sachsenhäusener Bürgern.

Herbert Schmoll, der die Bürgerinitiative "Sachsenhausen wehrt sich" gegründet hat, die fast 600 Mitglieder hat, fügte hinzu, dass Menschenleben gefährdet seien: "Mütter bringen ihre Kinder persönlich jeden Morgen zu Fuß in die Schule, weil sie sie nicht mehr allein auf die Straße lassen", sagte Schmoll, "aus Angst, dass aggressive Autofahrer sie überfahren könnten." Krankenwagen kämen nicht mehr durch den Stau. "Der Magistrat gefährdet das Leben der Bürger", war sein Fazit. Ein anderer Bürger berichtete, sein kranker Vater müsse regelmäßig im Taxi vom Mühlberg auf die andere Mainseite ins Krankenhaus und stünde jetzt jedes Mal im Stau: "Sie wissen nicht, was es für einen sehr kranken Mann bedeutet, so lange im Auto sitzen zu müssen."

Mainkai-Sperrung sei eine "Schnapsidee"

Der "Schnapsidee unseres Verkehrsdezernenten" müsse sofort ein Ende gesetzt werden, pflichtete Uwe Schulz von der FDP im Ortsbeirat bei. Einem Antrag der Linken auf Zurücknahme der Sperrung, der auf der Tagesordnung stand, hätte er deshalb sein Votum gegeben, so Schulz - doch die Linke zog den Antrag wieder zurück und setzte stattdessen auf drei Tischvorlagen, also kurzfristig zur Sitzung eingebrachte Anträge. Darin war nur noch von einer Missbilligung der Sperrung der Rede, die "willkürlich und konzeptionslos" sei und einseitig zulasten der Menschen in Sachsenhausen gehe. 

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Der Magistrat solle zudem aufgefordert werden, wirksame Schritte zu unternehmen, um die Verlagerung des Verkehrs zu beenden und zudem Autoverkehr generell zu reduzieren. "Die Sperrung des nördlichen Mainufers war ein Schildbürgerstreich", sagte Knut Dörfel (Linke). "Aber ein Zurück ist nicht der Weg, um dahin zu kommen, wo wir hinwollen. Denn wir wollen, dass der Kraftfahrzeugverkehr letztlich in allen Stadtteilen weniger wird."

Dem pflichtete die SPD-Fraktion bei. "Auch wir sehen die Sperrung kritisch", sagte Jan Binger. "Aber wir halten die Sperrung nicht für konzeptionslos - denn es gab eine Grundidee, die dahintersteckte, nämlich den Verkehr in der Stadt zu reduzieren. Wir gehen davon aus, dass es Anfang Oktober Verkehrszählungen geben wird, sodass objektiv klar wird, wohin sich wie viel Verkehr verlagert, sodass dann Steuerungsmaßnahmen ergriffen werden können. Und wenn diese auch nicht funktionieren, dann sollte man den Versuch abbrechen. Es war ja ohnehin von Anfang an nur eine Sperrung auf Probe."

Ein gemeinsames Signal zur Mainkai-Sperrung setzen 

Man müsse die Menschen mit ins Boot holen, die die Verkehrswende wollen, die mehr ÖPNV und weniger Individualverkehr wollen", ergänzte SPD-Mann Thomas Murawski. Damit konnten sich die FDP, BFF und CDU aber nicht anfreunden. "Mir fällt auf die Schnelle nichts Besseres ein, als die Stadt aufzufordern, die Sperrung zurückzunehmen, um eine Befriedung zu erreichen", sagte Reinhard Klapproth (Grüne). Der Ortsbeirat solle ein gemeinsames Signal senden, dass der Versuch der Sperrung sofort abgebrochen werden müsse, befand auch FDP-Chef Schulz.

Von Stefanie Wehr

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Das Signal in Form eines gemeinsamen Antrags steht nun aber noch aus - Ortsvorsteher Christian Becker (CDU) ließ die Anträge schieben, "dann können wir uns über die Ferien alle Gedanken machen".

Mehr zur Mainkai-Sperrung: 

Herbert Schmoll von „Sachsenhausen wehrt sich“ bemängelt die Zunahme von Autoverkehr durch die Mainkai-Sperrung. Für den Frankfurter Stadtverordneten Nico Wehnemann ist die Sperrung des Mainkais nur ein Anfang. Weitere Neuigkeiten finden Sie in unserem Mainkai-Ticker.  

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