Vom Erfolg überwältigt

Mainufer zieht die Massen an: Müll macht der Stadt zu schaffen

+
Tausende feiern Abend für Abend am Frankfurter Mainufer ausgelassen den Jahrhundertsommer. Das schafft für die Stadt entlang der fast sieben Kilometer langen Kernzone zunehmend Probleme.

Frankfurt - Chillen rund um die Uhr: Die Wiederbelebung der beiden Mainufer steht für ein neues Lebensgefühl in Frankfurt. Doch diese Erfolgsgeschichte hat auch Schattenseiten. Die sorgen für Diskussionen. Von Thomas Maier

Tausende Menschen flanieren und feiern an den beiden Frankfurter Mainufern bei tropischen Temperaturen bis in die frühen Morgenstunden. Vor der beeindruckenden Silhouette der Skyline schippern auf dem Fluss Schiffe, auf deren Decks sich junge Leute ausgelassen zum dröhnenden Discosound bewegen.
Am Main lässt der anscheinend endlose Jahrhundertsommer regelrecht Ibiza-Gefühle aufkommen. Doch nicht jeder ist über die Partystimmung am Fluss glücklich. Anwohner beschweren sich über den Lärm der Tanz-Schiffe. Zugleich stellt der Müll die Stadt vor immer größere Probleme.

„Wir kommen mit dem Aufstellen von Müllbehältern gar nicht mehr nach“, sagt Stephan Heldmann, langjähriger Chef des Frankfurter Grünflächenamts. In den vergangenen Wochen haben seine Leute zusätzliche 1,1 Kubikmeter für leere Flaschen oder Pizzaschachteln aufgestellt. Es sind nunmehr zwölf Kubikmeter Abfallvolumen.

Müll sorgt am Main immer wieder für Ärger. -

Das Grünflächenamt gibt inzwischen fast ein Viertel seines Etats von 12,3 Millionen Euro für die Müllentsorgung in städtischen Parks aus – mit Schwerpunkt an den Mainufern. Seit 2013 sind die Kosten dafür um 800 000 Euro gestiegen. „Wir sind Opfer unseres eigenen Erfolgs“, sagt Heldmann, der maßgeblich die Wiederbelebung der Frankfurter Mainufer betrieben hat. Zwölf Millionen Euro hat die Stadt in den vergangenen zwei Jahrzehnten in die Umsiedlung von Gewerbebetrieben und Konversion von Flächen gesteckt, um das Mainufer für Freizeit und Erholung zurückzugewinnen.

Inzwischen hat die Stadt 6,8 Kilometer Mainfläche in ihrer Kernzone durchgehend begrünt und für Fußgänger wie Radfahrer erschlossen – vorher war es nur etwa die Hälfte gewesen. Berücksichtigt man Stadtteile wie Höchst oder Fechenheim, wurden in den vergangenen Jahren sogar 14 Kilometer Ufer aufgewertet, weiß Umweltdezernentin Rosemarie Heilig. Die Revitalisierung des Mains habe Frankfurt ein ganz neues Lebensgefühl verschafft, schwärmte die Grünen-Politikerin im Amtsblatt.

Als Standort zahlreicher bedeutender Museen entlang der Kais ist der Main in der Innenstadt seit den 1980er Jahren eine überregionale Marke und lockt mit dem traditionellen Museumsuferfest Ende August Millionen von Menschen an. Doch für den Mainpark kam nach der schrittweisen Sanierung der Durchbruch erst richtig mit dem „Sommermärchen“ von 2006. Während der Fußball-WM feierten tausende ausländische Besucher friedlich die Spiele.

Unterwegs mit den Offenbacher Müll-Detektiven: Bilder

Beim Müll will die Stadt noch stärker gegensteuern. Junge Menschen gehen abends als „Sauberkeitsbotschafter“ auf die Feiernden zu, um die Bereitschaft zur freiwilligen Müllentsorgung zu fördern. Das ist Teil einer vom Magistrat beschlossenen Aktion, die sich „cleanffm“ nennt. Das Grünflächenamt baut ebenfalls darauf. Disziplinarische Maßnahmen oder Sanktionen wie Bußgelder zur Reduzierung des Mülls lehnt Heldmann ab. „Die Leute sind ansprechbar“, sagt er.

Im Haushalt fordert der Chef des Grünflächenamts mit 750 Mitarbeitern einen festen Betrag für die immer teurer werdende Grundpflege des Mainufers und anderer Parks. Und er will weitere Rasenflächen – die meisten gleichen angesichts der Dürre eher einer gelben Steppe – unterirdisch bewässern.

Bleibt das Problem Partyschiffe: Das Ordnungsamt bestätigt Beschwerden von Anwohnern, fühlt sich aber nicht in der Pflicht. Man habe keine Boote, die man zur Überprüfung schicken könne, bedauert Behördensprecher Michael Jenisch. (dpa)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare