Strikte Beschränkungen, harte Strafen

Auswanderer über Corona-Krise auf Mallorca: „Manche Kinder waren sechs Wochen eingesperrt“

Die strengen Corona-Maßnahmen für Spanien gelten auch auf Mallorca. Ein Auswanderer aus Frankfurt vergleicht die Lage mit Deutschland.

  • Spanien wurde von der Corona-Pandemie besonders hart getroffen
  • Das Land hat zur Eindämmung des Coronavirus besonders harte Maßnahmen eingeleitet
  • Deutsche Auswanderer auf Mallorca berichten von den spanischen Bedingungen

Sencelles (Mallorca) – Wie lässt sich die Corona-Pandemie* am besten eindämmen? Mit strikten Ausgangsbeschränkungen wie in Italien oder Spanien? Mit totaler Überwachung wie in China? Oder ist doch der inzwischen viel zitierte schwedische Weg die beste Methode?Und wie beurteilen deutsche Auswanderer die Maßnahmen in der Bundesrepublik im Vergleich zur Situation in ihrer Wahlheimat?

Auswanderer in Mallorca: So bewerten sie die Corona-Krise im Vergleich zu Deutschland

Gabriel Hertle lebt und arbeitet seit 15 Jahren auf Mallorca. Gemeinsam mit seiner Schwester Lena-Luiza organisiert er Hochzeiten, Firmen-Events, Weinproben und andere Veranstaltungen auf dem gemeinsamen Landgut „Alaiar“ in der Nähe des Dorfes Sencelles im Inselinneren. Ursprünglich war die Auftragslage gut, der Terminkalender voll. Doch bis einschließlich Juli sind nun alle Veranstaltungen wegen der Pandemie storniert. „Bis zur nächsten Saison können wir noch durchhalten, dann wird’s eng“, erzählt der gebürtige Frankfurter, dessen Lebensgefährtin eine Boutique im Touristenort Peguera betreibt. „Für die kleinen Einzelhändler, Restaurants, Hotels und Bars sind die Corona-Einschränkunge n eine Katastrophe“, berichtet er. „Die Wirtschaft wird erwürgt“, die Unterstützung vom spanischen Staat sei „verschwindend gering“, viele Geschäfte stünden vor dem Ruin. Er befürchtet einen Anstieg von Armut auf der Balearen-Insel, die mehr als jede andere Region Spaniens vom Tourismus abhängig ist.

„In Spanien gab es eine strikte Ausgangssperre, einzelne Personen durften nur aus beruflichen Gründen oder zum Einkaufen ihr Zuhause verlassen, beim Gassi gehen durften sich Hundebesitzer nicht weiter als 50 Meter von ihrem Haus entfernen“, beschreibt er die Maßnahmen. „Wer seinen Wohnsitz verlässt, dem drohen drakonische Strafen“, erklärt Gabriel. Die Kontrollen auf Mallorca seien streng: „Der Nachbar meiner Eltern liefert Backwaren aus und wird dabei täglich bis zu sechsmal kontrolliert.“ Manche Kinder seien sechs Wochen in ihren Wohnungen eingesperrt gewesen – deswegen halte er den deutschen Weg mit nicht ganz so strengen Freiheitseinschränkungen auch für den sinnvolleren. Seit Montag sind die Beschränkungen nun auch in Spanien etwas gelockert, Eltern dürfen mit ihren Kindern zumindest für eine Stunde raus.

Strenger als in Deutschland: Auswanderer berichten von Corona-Maßnahmen in Mallorca

Dass in Spanien die Ansteckungsrate höher als in Deutschland war, könne auch mit den kulturellen Unterschieden zusammenhängen, glaubt er. „Die Spanier sind geselliger, es gibt mehr Körperkontakt, Küsschen zur Begrüßung, Küsschen und Umarmung zum Abschied.“ Sich und seine Familie sieht der 40-jährige Hesse wegen des 34 Hektar großen Landguts der Familie in einer privilegierten Situation: „Wir sind hier in unserer Oase, die Kinder können draußen spielen, sich um unsere Schäfchen und Hühner kümmern.“ Er kann der Situation sogar noch etwas Positives abgewinnen: „So habe ich wenigstens viel Zeit für meine Familie und für landwirtschaftliche Aufgaben.“

Sein Schwager sei Anfang März mit Verdacht auf eineCorona-Infektion von einem Ski-Urlaub zurückgekehrt, erzählt Gabriel. Da nicht auszuschließen war, dass er weitere Familienangehörige angesteckt haben könnte, begaben sich sämtliche Verwandte, mit denen er nach seiner Rückkehr Kontakt hatte, für zwei Wochen in freiwillige Quarantäne. Ein Antikörpertest danach bestätigte den Verdacht, der Rest der Familie blieb allerdings verschont.

Quarantäne auf Mallorca: Auswanderer berichtet von der Corona-Krise

Für Unmut sorgt bei Gabriel Hertle das Verhalten der Banken: Diese hätten nun die große Chance, „ihren Kunden wirklich zu helfen, denn ihre Kredite sind derzeit vom Staat gedeckt und sie könnten gute Konditionen an die Kunden weitergeben“. Stattdessen seien die Zinssätze teilweise schlechter als vor der Corona-Krise. „Es ist eine Ungereimtheit, dass sie jetzt noch größere Geschäfte auf Kosten der Krisenverlierer machen.“

Er selber schmiedet gemeinsam mit seiner Schwester bereits Pläne, wie es weitergehen soll: „Wir haben keine Ahnung, wann und wie wieder Hochzeiten gefeiert werden können und wann die Menschen wieder tanzen dürfen.“ Aber er hofft, dass er noch in diesem Jahr wieder Veranstaltungen anbieten kann. „Und wenn es erstmal kleine Workshops, Weinproben oder Ausflüge in die Natur sind.“ Wer Interesse hat, kann sich auf der Homepage der Geschwister informieren.

Von Niels Britsch 

Aufgrund der Reisebeschränkungen in der Corona-Krise können Touristen nicht mehr nach Mallorca reisen - daraufhin hat ein Möchtegern-Urlauber eine ungewöhnliche Maßnahme ergriffen. 

Robert Busch aus dem Kreis Offenbach lebt mit seiner Freundin in Costa Rica. Das Paar kann jetzt nicht wie geplant in Deutschland heiraten.

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