Meister des kultivierten Nonsens

Helge Schneider gleitet in Alter Oper gekonnt ins Absurde ab

Multi-Instrumentalist Helge Schneider wechselte problemlos vom Konzertflügel zum Cello oder Saxofon. Foto: sauda
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Multi-Instrumentalist Helge Schneider wechselt problemlos vom Konzertflügel zum Cello oder Saxofon.

Frankfurt – Auch wenn sich an Musiker und Comedian Helge Schneider die Geister scheiden, muss man im Großen Saal der Alten Oper lange nach einem freien Platz suchen. Zusammen mit Henrik Freischlader (Gitarre), Rudolf Olbrich (Bass) und Peter Thoms (Schlagzeug) hat der Meister des kultivierten Nonsens zu seinem Programm „Ordnung muss sein!“ eingeladen. Von Sebastian Krämer

Wer den 63-Jährigen kennt, weiß natürlich, dass der Titel allenfalls ironisch zu verstehen ist. So liebt es der Ruhr-Mülheimer, immer wieder ins Absurde abzugleiten. Etwa, als er sich bereits nach wenigen Minuten Auftritt schon vom Publikum verabschiedet oder bei der langsamen Jazzballade „Wundertüte des Lebens“ unerwartet eine Hupe betätigt.

Bereits nach wenigen Minuten hat der charismatische Entertainer die Herzen des Frankfurter Publikums erobert, welches jede Bühnenaktion mit Lachern und Beifall feiert. Schließlich zelebriert Schneider auch jede noch so unspektakuläre Aktion wie den langen Schluck aus der Wasserflasche. Minutenlang baut er sein Cello auf, um dann nur ein paar längere Töne und geräuschhafte Klänge in Hörspielmanier wiederzugeben. Wie kein Zweiter versteht er es, seine konfusen Songtexte so zu überreizen, dass es seine Fans im Saal vor Lachen von den Sitzen reißt.

Dabei wechselt der Multi-Instrumentalist rasche von seinem weißen Konzertflügel zur Gitarre oder zum Cello oder Saxofon. Auch wenn Schneider an keinem der Instrumente durch Virtuosität glänzt, bindet er die Instrumentalparts dennoch gekonnt in seine Sketche ein.

Opfer seiner Witze wird immer wieder Drummer Thoms, der wesentlich jünger sei, als er aussehe und sich für seinen „Vintage-Style“ neue Falten ins Gesicht einritzen lasse. Anschließend komme er ins Eisfach, wonach auf ihm herumgetrampelt werde. Obwohl das Jazztrio an Schneiders Seite mit gekonnten Soli sein Können aufblitzen lässt, stehen bei dem rund 90-minütigen Programm vor allem die kabarettistischen Beiträge des Stars im Mittelpunkt.

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Minutenlang erklärt der Schauspieler und Regisseur, wie er mit dem Tourbus, trotz Dieselskandals, „abdiesele“. Während heute Feinstaub aus den Autos komme, hätten die Autos früher Briketts abgesondert. Zu den Favoriten des Publikums gehört an diesem Abend der Kulttitel „Meisenmann“. Tosender Beifall für einen Abend, bei dem Fans voll auf ihre Kosten kamen.

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