Melani Bonajo stellt im Kunstverein Frankfurt aus

Ausstellung wie ein Drogentrip

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Regenbogen aus Körpern: Melanie Bonajo, „Night Soil #2 / Economy of Love“ (2015)

Frankfurt - Eine „Reise durch die Welt der Farben“ sei ihre Ausstellung, sagt Melanie Bonajo. Die 1978 geborene niederländische Künstlerin hat den Frankfurter Kunstverein in eine psychedelische Landschaft verwandelt. Von Eugen El

In fünf aufwendig gestalteten Räumen nimmt der Besucher auf mitunter plüschigen Sitzen Platz, um Bonajos Videofilme zu sehen. Fast alle dauern länger als 30 Minuten. Der Ausstellungsbesuch erfordert Zeit.

Der Film „Economy Of Love“ ist in eine pink schimmernde Höhle integriert. Junge New Yorker Amateur-Sexarbeiterinnen erzählen darin von Liebespraktiken und ihrer Einstellung zum Körper: „Sexualität ist gut für mich. Sexualität ist gut für die Welt.“ Bild und Tonspur gehen dabei zuweilen getrennte Wege. So sieht der Zuschauer eine Gruppe von sieben nackten Männern und Frauen, die sich übereinander legen. Ihre Körper sind angemalt. Zusammen bilden sie einen Regenbogen. „Es ist auch eine Ausstellung für den Körper“, betont Melanie Bonajo.

Regenbogenfarben ziehen sich durch die Schau. Manchmal glaubt der Besucher sich inmitten eines bewusstseinserweiternden Trips. Melanie Bonajo möchte der Kälte und Rationalität des modernen Lebens um jeden Preis entfliehen. Auf ihrer Suche nach alternativen Lebensformen trifft sie Aussteiger, Außenseiter und Benachteiligte. Der Film „Fake Paradise“ erzählt von der halluzinogenen Droge Ayahuasca, die aus den Amazonasgebiet stammt. Dort wird sie für religiöse und medizinische Zwecke verwendet. Bonajo spürt einer Bewegung nach, die sich für die Legalisierung der Droge einsetzt. Die Künstlerin verweist auf die Bedeutung von LSD für die Hippie-Kultur der 1960er Jahre.

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Einen Dialog der Generationen dokumentiert die Filmarbeit „Progress vs. Regress“. Bonajo hat hochbetagte Frauen und Männer zu ihrem Umgang mit technischen Neuerungen der vergangenen Jahrzehnte befragt. Der Besucher erfährt unter anderem, dass Telefon, Fotokamera und Fernsehen nicht immer selbstverständlich waren. Die Erzählungen kombiniert Bonajo mit Werbebildern und Bildschirmansichten von Internetsuchportalen. Auch lässt sie die Protagonisten mit einem Selfie-Stick agieren. Präsentiert wird der Film in einer Szenerie, die Melanie Bonajo als „futuristisches Raumschiff“ beschreibt. Die einzigen Sitzgelegenheiten im Raum sind Rollstühle.

Melanie Bonajo: „Single Mother Songs From The End Of Nature“ bis 27. August im Frankfurter Kunstverein, Steinernes Haus am Römerberg, Markt 44, Di.-So. 11-19 Uhr, Do. 11-21 Uhr.

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