Aus schicken Flaschen in edle Gläser

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Michael Stöckl ist Deutschlands erster Apfelweinsommelier und setzt sich auf vielfältige Weise fürs „Stöffche“ ein. Michael Stöckl (r) und Andreas Schneider setzen sich für die gehobene Apfelweinkultur ein.

Frankfurt - Der Ehrentitel war eines Tages einfach da: „Deutschlands erster und einziger Apfelweinsommelier“. Michael Stöckl muss noch heute lächeln, wenn er an einen Ausflug im Frühjahr 2002 in den Odenwald zurückdenkt, dessen Resultat eben diese Bezeichnung war. Von Christian Riethmüller 

Stöckl hatte damals beim „Apfelweintag“ in Annelsbach die versammelte hessische Apfelweinproduzentenschar darauf hingewiesen, dass „es an der Zeit ist, den Apfelwein aus schicken Flaschen mit schönen Etiketten in edle Gläser zu füllen. “ Was manchen Traditionalisten in Schnappatmung verfallen ließ, war für einen beim Verbandstag anwesenden Journalisten der Deutschen Presseagentur dpa ein willkommenes Zitat. Er zitierte Stöckl aber nicht nur, sondern taufte ihn auch „Apfelweinsommelier“.

Stöckl gefiel die Bezeichnung, selbst wenn sie, streng genommen, ja nur eine Tätigkeit beschreibe. „Ein Sommelier im Restaurant ist der Weinkellner. Er hat den Weinkeller unter sich und empfiehlt die zum Essen passenden Tropfen. Doch der Titel Sommelier ist nicht geschützt“, erklärt Stöckl, weshalb „sich eigentlich jeder, der im Restaurant den Wein bringt, so nennen könnte.“ Stöckl allerdings ist geprüfter Sommelier. Er hat die Deutsche Wein- und Sommelierschule in Koblenz abgeschlossen. Davor war er auf der Hotelfachschule in Heidelberg; er hat ein Volontariat bei einem Weingut im Württembergischen und eine Lehre als Restaurantfachmann absolviert. Und er stammt aus einer Familie von Gastronomen. Seine Eltern betrieben die idyllisch in Weilrod im Taunus gelegene „Landsteiner Mühle“, die Stöckl gemeinsam mit einem Bruder zum 1. Januar 2002 übernommen hat.

Gründungsmitglied der „Hessischen Wirthauskelterer“

Michael Stöckl hatte schon seine Eltern überzeugt, Apfelwein auf die Karte zu nehmen, was bei einem Österreicher als Vater vielleicht nicht selbstverständlich ist. Wie Michael Stöckl erzählt, hatte er selbst vor etwa 20 Jahren begonnen, sich für die hessische Apfelweinszene zu interessieren, in der in den Neunziger Jahren erste Kelterer wie der Maintaler Jörg Stier begannen, neue Wege zu beschreiten.

Aus Interesse wurde bei dem heute 43-jährigen Gastronom allmählich Leidenschaft, die bis heute der Antrieb für die vielfältigen Anstrengungen Stöckls ist, den oft noch als „urig“ angesehenen Apfelwein auch in der gehobenen Gastronomie unterzubringen. Zu diesem Zweck ist der Vater zweier Töchter nicht nur als Sommelier unterwegs, der in seiner im Herbst 2006 konsequent zum ApfelWeinBistrorant umfunktionierten „Landsteiner Mühle“ mittlerweile um die 40 verschiedene regionale und internationale Apfelweine sowie -schaumweine bester Güte offeriert und in Zusammenarbeit mit einem Apfelwinzer auch einen eigenen Schoppen produziert.

Als „Apelweinmissionar“ ist er mindestens ebenso rührig. Im Februar 2005 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der „Hessischen Wirthauskelterer“, die mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen ihre selbstgekelterten, von eigenen Streuobstwiesen stammenden Spezialitäten vermarkten. Sein umfangreiches Wissen hat er zudem in das praktische Büchlein „Der Apfelweinschmecker“ (Societäts-Verlag) fließen lassen, wo er die besten Apfelweine, Straußwirtschaften und sonstigen Apfelwein-Adressen im Rhein-Main-Gebiet vorstellt.

Der größte Bembel der Welt

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Stöckls Coup war aber die Verwirklichung einer Idee, die er gemeinsam mit seinem „Bruder im Geiste“, dem Frankfurter Obstbauern und Apfelwinzer Andreas Schneider, bei einem winterlichen Besuch in Kanada hatte: Eine Jahrgangspräsentation ausgewählter Apfelweinproduzenten aus Hessen, aber auch aus anderen Apfelweinregionen Deutschlands, Frankreichs, Spaniens oder Kanadas.

Gedacht, getan. Am 15. März 2009 veranstalteten Schneider und Stöckl in Frankfurt ihre erste Verkostung, die gleichzeitig eine Messe war. Nach ihrem Veranstaltungsort benannt, hieß sie „Apfelwein im Römer“. Vier weitere Messen in den Römerhallen folgten, bevor die Stadt den Mietzins derart erhöhen wollte (um fast das Fünffache), dass die Veranstaltung nicht mehr zu finanzieren gewesen wäre. In die Bresche sprang daraufhin Robert Mangold vom Gesellschaftshaus Palmengarten, der Stöckl und Schneider einlud, die beliebte Verkostung fortan im Gesellschaftshaus zu veranstalten. Apfelweinsommelier Michael Stöckl darf sich nicht zuletzt mit diesem Umzug aus den Gewölben in den prächtig renovierten Saal in seiner Mission bestätigt fühlen. Das „Stöffche“ in seiner exquisiten Form ist nun auch räumlich in der gehobenen Gastronomie angekommen.

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