Frankfurter Stadtparlament lehnt Antrag auf Umbenennung ab

Die „Mohren“-Apotheken bleiben

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Seit Jahrzehnten heißen sie Mohren-Apotheke – der Name zweier Geschäfte hatte in Frankfurt eine breite Debatte über Rassismus ausgelöst.

Frankfurt - Nun ist es amtlich: Die „Mohren“-Apotheken in Frankfurt müssen ihren Namen nicht ändern. Einen Antrag des Ausländerbeirats lehnte das Stadtparlament ab. Es folgte einer Beschlussempfehlung des Hauptausschusses. Von Norbert Demuth

Drei Monate lang währte in Frankfurt eine hitzig geführte Debatte: Ist die Bezeichnung „Mohr“ im Namen von zwei örtlichen Apotheken rassistisch? Und muss sie deshalb aus dem Stadtbild verschwinden? Die Kommunale Ausländervertretung (KAV) sah dies so und hatte deshalb im Januar beantragt, dass die Stadt sich für die Umbenennung der „Mohren-Apotheke“ in Frankfurt-Eschersheim und der „Zeil-Apotheke zum Mohren“ in der Innenstadt einsetzen solle. Nun hat das Stadtparlament endgültig entschieden: Die „Mohren“ müssen nicht gehen, sie dürfen als Apotheken-Namen bleiben.

Am Donnerstagabend lehnte die Stadtverordnetenversammlung den Antrag des Ausländerbeirats ab, wie das Büro des Stadtparlaments gestern mitteilte. Das Plenum folgte damit wie erwartet einer Beschlussempfehlung des Haupt- und Finanzausschusses vom Dienstagabend.

Die Stadtverordnetenversammlung nahm dafür eine Resolution der Regierungskoalition aus CDU, SPD und Grünen an – mit dem Titel „Rassistisch motivierter Hetze entschieden entgegentreten“. Darin beziehen die Fraktionen keine Stellung zur Frage, ob der Begriff „Mohr“ rassistisch ist oder nicht – denn darin waren sich die Koalitionspartner nicht einig. CDU, SPD und Grüne verteidigen in der Resolution aber die bisherige Debatte über Sprache und Rassismus und nehmen den Ausländerbeirat gegen Beleidigungen und Bedrohungen in Schutz, die dieser wegen seines Antrags erfahren hat. Eine demokratische Gesellschaft müsse „in der Lage sein, sachlich und ohne Ausgrenzung“ zu streiten. Der Antrag der KAV mit dem Betreff „Kein Rassismus im Stadtbild Frankfurts“ hatte für eine heftige Diskussion über Sprache in der Stadt gesorgt. Eine Abstimmung im Stadtparlament über den KAV-Antrag war in den vergangenen Monaten mehrfach verschoben worden. In dem Antrag hieß es, der Ausdruck „Mohr“ werde als rassistisch angesehen, weswegen „bundesweit bereits viele Bezeichnungen für Speisen, Straßen und sogar Firmenlogos geändert“ worden seien. Denn außer bei Apotheken taucht das Wort „Mohr“ in Deutschland auch in vielen anderen Namen auf, etwa von Straßen, Gasthöfen, Hotels und Brauereien.

Bilder: Demo gegen Rassismus in Frankfurt

Böswilligkeit unterstellte der Antrag, der auf die Initiative von Virginia Wangare Greiner, der Vertreterin der Liste „Afrikanische Stimme“, zurückgeht, den Apothekeninhabern nicht. Die Bezeichnung „Mohr“ werde oft gebraucht, ohne dass dem Verwender ihre historische Bedeutung überhaupt bewusst sei. Verfechter des Apothekennamens „Mohr“ machten hingegen geltend, er gehe auf die Verwendung von Medizin aus fernen Ländern zurück und habe zu Entstehungszeiten keinen rassistischen Hintergrund gehabt.

Alexander Schwartz, Inhaber der „Zeil-Apotheke zum Mohren“, hatte sich in der Diskussion durchaus kompromissbereit gezeigt und auch auf rechtliche Fragen verwiesen. Denn seine Apotheke befindet sich in einem denkmalgeschützten Gebäude, auf dessen Fassade der Begriff „Zum Mohren“ eingemeißelt ist. Über die städtische Entscheidung zum „Mohren“ an seiner Apotheke zeigte er sich „nicht überrascht“. Die Debatte war von den Stadtpolitikern in zivilisierter Art geführt worden, außerhalb des kommunalen Parlaments aber teils bösartig, etwa mit „Hassbotschaften“ gegenüber der Ausländervertretung. Einzelne Bürger sprachen Menschen mit Migrationshintergrund das Recht ab, sich öffentlich zu äußern und politische Forderungen zu stellen. Die Heftigkeit der Attacken überraschte Beobachter, denn gemeinhin gilt „Mainhattan“ als weltoffene, tolerante Stadt. (kna)

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