Vor 25 Jahren kehrte die Frankfurter Oper nach dem verheerenden Brand auf die eigene Bühne zurück

Mozart aus der Asche

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Rauch über Frankfurt: Am 12. November 1987 brannte der Bühnenturm der Oper. Heute vor 25 Jahren eröffnete der moderne Neubau am Willy-Brandt-Platz.

Frankfurt - Nichts mehr übrig außer Stein und Stahlskelett: 1987 brannte die Frankfurter Oper. Heute vor 25 Jahren stieg das Bühnenhaus wieder aus der Asche: Am 6. April 1991 eröffnete Mozarts Zauberflöte den Neubau, der bis heute als einer der modernsten der Welt gilt. Der Umbau geht weiter. Von Eva-Maria Lill

Eine sternlose Novembernacht am Willy-Brandt-Platz, 1987. Nasskalt, etwas Wind. Um 3.19 Uhr jault die Alarmanlage der Oper Frankfurt. Bereits fünf Minuten später jagen erste Blaulichter heran. Lautes Knistern lockt die Löschfahrzeuge zum Bühnenhaus. Es brennt. Die Türen lassen sich nicht öffnen, Unterdruck. Im Zuschauerraum lauert die Hölle. Der 16 Tonnen schwere Eiserne Vorhang glüht. Rechts und links lecken Flammen die Beleuchtung entlang. Dahinter: Inferno. Die Bretter, die die Welt bedeuten, sind nach sieben Minuten bloß noch Asche. Der Bühnenturm ächzt, jammert, stürzt in sich zusammen. Feuerregen prasselt auf die Neue Mainzer Straße. Augenzeugen berichten von 20 Meter hohen Flammensäulen. Was bleibt: eine schmutzig weiße Backsteinwand. Eisenstangen, die sich wie fette Schlangen durch Trümmer fressen. Ein metertiefes Loch, das beißenden Qualm gegen Hochhausfronten atmet. „Schon von weitem war ein Riesen-Feuerschein zu sehen“, beschreibt damals Einsatzleiter Helmut Herth.

Blick von der neuen Bühne in den Zuschauerraum: So sieht die Oper heute aus.

Der Opernbrand von 1987 schwelte lange in Frankfurts Kultursubstanz. Wo am Vorabend des 12. Novembers Mozarts „Così fan tutte“ schmetterte, summten wenige Stunden später bloß noch Funken in Kulissen-Leichen. 50 Fahrzeuge im Einsatz, 120 Feuerwehrleute. Schaden: 100 Millionen Mark. Auch der gerade erst renovierte Zuschauerraum wurde durch die Hitze beschädigt. Folgebrände loderten im Malersaal und auf einer Probebühne. Erst sechs Tage später konnte die Feuerwehr endgültig Entwarnung geben. Der Wiederaufbau war mühsam, schluckte rund 170 Millionen Mark. Dreieinhalb Jahre dauerte es, bis Frankfurt seine Oper wieder hatte. Am Samstag, 6. April 1991, heute vor 25 Jahren, eröffnete der 41 Meter hohe Bühnenturm. „Aus der Asche hat sich eines der besten Opernhäuser Europas erhoben“, sagte Kulturdezernent Felix Semmelroth zum Brand-Jahrestag 2012.

Beim feierlichen Anlass 1991 auf der hochmodernen Bühne: Mozarts „Zauberflöte“. „Mittelmaß in heiligen Hallen“, titelte am Montag danach Klaus Ackermann in unserer Zeitung. Die Kulisse sei erhaben gewesen, die Inszenierung bestenfalls „sängerdienliche Routine“. Unwürdig für die erfüllte Sehnsucht, endlich wieder eine Opernbühne in der Stadt zu haben. Denn die Zeit zwischen Zerstörung und Auferstehung klang bitter für Frankfurts musikalische Köpfe. Die Oper zog auf die vom Feuer verschont gebliebene Schauspielbühne, das Theater wanderte ins Bockenheimer Depot, das eigens umgebaut worden war. Aus Not wurde Renommee: Das industrielle Schmuckstück zählt heute zu den geschätztesten Spielstätten in Frankfurt.

Eindrucksvolle Bilder der Frankfurter Skyline

Die Aufklärung des Brandes dauert damals übrigens nur wenige Stunden. Der wohnsitzlose Ex-DDR-Häftling Michael W. ruft gegen 6.30 Uhr am düsteren Donnerstagmorgen bei der Polizei durch, gesteht, mit Zeitungen im Westflügel der Städtischen Bühnen gezündelt zu haben. Die Beamten halten ihn zehn Minuten am Telefon, ermitteln seinen Standort, nehmen ihn fest. Er wird zu sieben Jahren Haft verurteilt, zwei Drittel davon sitzt er ab, 1992 kommt er frei.

Sein Motiv liest sich wie ein Sonntagvorabendkrimi. Der Zechpreller und Betonbauer hat mehrfach Ärger mit der SED, wird aus unbekannten Gründen schließlich in die Bundesrepublik abgeschoben. Er streift durch Frankfurts Hochhausschluchten. Der damals 26-Jährige hungert. Auf der Suche nach Lebensmitteln dringt er durch ein gekipptes Fenster in die Oper ein. Wühlt dort in Kühlschränken, findet nichts. Aus Verzweiflung zündet er den Bühnenturm an. „Ich wollte auf meine Lage aufmerksam machen. Ich bin fertig mit der Welt“, sagte der Täter nach seiner Festnahme. Heute, so verspricht die Oper auf ihrer Internetseite, könne ein solcher Feuer-Albtraum nicht mehr passieren. Der Brandschutz sei optimiert, das Haus sicher wie nie. Der Umbau geht aber weiter: Die Stadt will im Theater-Doppelhaus Heizung, Lüftung und technische Anlagen auf den neuesten Stand bringen.

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