Händewaschen empfohlen

Multiresistente Keime in Frankfurter Gewässern

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In fünf Proben sind bei einer Untersuchung Erreger mit Resistenz gegen bestimmte Reserveantibiotika gefunden worden.

Frankfurt - Mit einem neuen Verfahren hat Frankfurt alle Fließgewässer im Stadtgebiet testen lassen – und dabei auch Erreger gefunden, bei denen Antibiotika nichts mehr ausrichten können. Auslöser war ein Mann, der betrunken in einen Bach stürzte. Von Sandra Trauner

Im April hatte ein Patient im Frankfurter Uni-Klinikum Mitpatienten mit einem lebensbedrohlichen Keim angesteckt. Die Intensivstation war zeitweise lahmgelegt, das Krankenhaus bundesweit in den Schlagzeilen. Neben der Frage, wie sich der potenziell tödliche Erreger ausbreiten konnte, war vor allem zu klären: Wo hatte der Mann den gegen alle Antibiotika resistenten Erreger her?

Normalerweise sind Urlaubsreisen die Ursache solcher Infektionen. In diesem Fall aber war der Mann nicht verreist – sondern betrunken in einen Bach gefallen. Sollte der Erreger Klebsiella pneumoniae 4-MRGN aus diesem Rinnsal stammen? „Das ist plausibel, aber nicht bewiesen“, sagt Ursel Heudorf, die Leiterin der Abteilung Infektiologie und Hygiene im Frankfurter Gesundheitsamt. Man habe damals zwar multiresistente Erreger in dem betroffenen Bach gefunden, aber nicht den gesuchten, sondern andere.

Als sich die Aufregung um die Uni-Klinik längst wieder gelegt hatte, ließ das Gesundheitsamt mit einer noch empfindlicheren Messmethode alle Oberflächengewässer untersuchen. Dafür hat sich die Stadt dem Forschungsverbund HyReKa angeschlossen, den Hygiene-Papst Professor Martin Exner leitet. Die Partner in diesem Verbund wollen die „Eintragspfade von antibiotikaresistenten Bakterien, Antibiotikaresistenz-Genen und Antibiotika-Rückständen von Mensch oder Tier in die Umwelt qualitativ und quantitativ charakterisieren“. Das 2016 begonnene Mammutprojekt läuft mindestens bis 2019.

PCR heißt das Verfahren, Polymerase-Kettenreaktion (polymerase chain reaction). Dabei wird die Erbsubstanz DNS im Reagenzglas vervielfältigt. Ende September wurden 19 Proben entnommen, nun liegen die Ergebnisse vor: In fünf Proben wurden Erreger mit Resistenz gegen bestimmte Reserveantibiotika gefunden. In acht weiteren Proben fand sich ein Antibiotika-abbauendes Enzym.

Das Seltsame: Nur in einem Fall steht in der Nähe des Gewässers mit positiver Probe eine Kläranlage. Wissenschaftler haben Wildvögel im Verdacht, deren Kot mit multiresistenten Keimen verunreinigt sein könnte, und die Landwirtschaft, in der Tiere Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln und die Keime über die Gülle auf Felder und damit ins Wasser gelangen.

Bei der Überprüfung der Gewässer sei Frankfurt „deutschlandweit führend“, sagt Heudorf. Seit 30 Jahren würden vier Mal jährlich alle Fließgewässer im Stadtgebiet mikrobiologisch, chemisch und physikalisch untersucht – „ein großer Datenschatz“. Das Ergebnis ist indes nur halb befriedigend: „Die mikrobiologische Güte ist nicht besser geworden, obwohl sich die biologische Güte verbessert hat.“ Will heißen: Die Artenvielfalt ist zwar größer geworden, die Verunreinigung mit Fäkal-Bakterien aber wurde nicht weniger. Ob auch die Belastung mit multiresistenten Keimen, die für geschwächte Menschen zu einer tödlichen Gefahr werden können, größer geworden ist, kann derzeit niemand sagen. Für die neuen Daten aus der HyReKa-Studie liegen keine Vergleichszahlen vor. „Aus den derzeitigen Befunden ergibt sich kein Hinweis auf eine Gefährdung der Bevölkerung, wenn die Empfehlungen des Gesundheitsamtes beachtet werden“, so Exner.

Achtung: An diesen Stellen in der Wohnung wimmelt es nur so vor Keimen

Die sind auf einer Informations-Seite der Stadt Frankfurt nachzulesen: „Aufgrund der uns vorliegenden Überwachungswerte eignen sich die Oberflächengewässer in Frankfurt nicht zum Schwimmen und Baden“, heißt es dort. Sollten Kinder daran spielen, wird im Anschluss eine gute Händehygiene empfohlen.“ (dpa)

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