Jazz-Ducks am Trompetenbaum

Musik erobert im Sommer den Palmengarten

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Exotische Gäste: Tuareg-Rocker Tinariwen

Frankfurt - Wo sonst bahnen sich Enten vom nahen Teich mit einer solchen Selbstverständlichkeit ihren Weg durch das Publikum wie bei „Jazz im Palmengarten“? Klar haben sie ihren Spitznamen schon lange weg. Sie sind die „Jazz Ducks“. Von Detlef Kinsler 

Der Palmengarten in Frankfurt ist eine Attraktion – zu allen Jahreszeiten. Aber im Sommer besitzt er eine fast magische Anziehungskraft auf Musikfans: Vierzehn Konzerte gibt es dieses Jahr im Musikpavillon. Im vergangenen Jahr war Patti Smith zu Gast. Die Rockikone kam zu spät zu ihrem eigenen Konzert, weil sie eine Verabredung mit einem Schwan hatte, wie sie sagte. „Patti Smith hatte ich vorher schon in der Jahrhunderthalle gesehen, bei und hat sie ein ganz anderes Konzert gegeben. Als hätte sich der Garten auf die Stimmung ihres Auftritts ausgewirkt“, erinnert sich Karin Wittstock, die als Kulturmanagerin im Palmengarten die Veranstaltungen in der städtischen Einrichtung organisiert und betreut.

Gerade für Jazzmusiker spiele dieser Ort eine besondere Rolle. „Für die ist es immer noch eine Ehre, wenn sie in ihrer Biografie stehen haben, dass sie hier gespielt haben“, verweist Wittstock auf „das älteste kontinuierlich durchgeführte Open-Air-Jazzfestival weltweit“ (Wikipedia). Dieses wurde schon 1959 von Werner Wunderlich auf Vermittlung des Posaunisten Albert Mangelsdorff gegründet.

Der „Jazz im Palmengarten“, startet am 22. Juni und beglückt um die 1 000 Zuschauer im Rund vor dem Musikpavillon (wo übrigens auch ein Trompetenbaum, Catalpa bignonioides steht), mit Gruppen wie dem Christoph-Stiefel-Septett, Oliver Leicht, Thärichens Tentett, dem Adam-Pieronczyk-Quartet, Enrico Rava New Quartet, Enders Room und Christof-Lauer-Trio.

Auch das Künstlerhaus Mousonturm nutzt dieses botanische Kleinod „für sechs abwechslungsreiche, musikalische Entdeckungsreisen“ wie Intendant Matthias Pees beschwört. Aus der „Weltmusik im Palmengarten“ ist 2014 der „Summer In The City“ geworden – mit Auftritten, die gern performativen Charakter besitzen.

Vom Palmengarten in die Therme - Frankfurts Oasen im Winter

Mit den Tuareg-Rockern von Tinariwen (8. August) und dem Duo Amadou & Mariam (22. August) sind zwei Gruppen aus Mali im Programm – da bietet sich vorher ein Besuch im „Schauhaus Trockene Tropen“ an. Denn der Rundgang im Freien und durch die Gewächshäuser ist im Eintritt (12 Euro beim Jazz, 24 Euro im Vorverkauf beim „Summer“) enthalten. Mit „Mighty Oaks“, Hauschka, Funny van Dannen und Dota sind Indie-Folk, Piano-Exkursionen, extravagantes Liedermaching und Folk-Variationen im Angebot.

„Beim Musikprogramm bin ich auf eine Situation gestoßen, dass es schon diese tollen Kooperationen gab“, will sich Karin Wittstock nicht mit fremden Federn schmücken. Die Konzerte „Blues im Palmengarten“ in Zusammenarbeit mit dem Generalkonsulat der USA sind ihr Baby. Der Auftritt der Chicago Queen of Blues, Deitra Farr, am 24. August ist Wittstocks Abschiedsabend, denn sie verlässt nach 18 Jahren den Palmengarten.

Schon als Studentin kam Wittstock zum Jazz in den Park, später als Mutter „wegen der schönen Spielplätze“. Auch als Ruheständlerin will sie dem „demokratischen Ort mit der leichten Atmosphäre“ treu bleiben und dann die angebotenen Konzerte ganz privat genießen.

‘ Infos und Karten unter www.jazz-frankfurt.de, www.mousonturm.de,

www.palmengarten.de

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