Musik schlägt Brücken

Konzertprojekt „Bridges“ bringt Flüchtlinge und Musiker zusammen

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Unter Gleichgesinnten: Amateure und Profis begegnen sich bei den Orchesterproben in Frankfurt auf Augenhöhe.

Frankfurt - Am Sonntag ist öffentliche Generalprobe an der Frankfurter Musikhochschule, Dienstag dann der große Tag, auf den alle hingefiebert haben. „Bridges – Musik verbindet“ stellt sich im Sendesaal des Hessischen Rundfunks vor. Von Detlef Kinsler 

„Was können wir ganz persönlich für Flüchtlinge tun?“, fragten sich die Studentinnen Julia Huk und Isabella Kohls aus Rodgau im vergangenen Herbst. Ein Konzert für Flüchtlinge? Nein, ein Konzert mit Flüchtlingen stand nach zweistündigem Brainstorming fest. Nur so könne man den nach Deutschland gekommenen Menschen „ein Gesicht und eine Stimme geben“. So formulierten die beiden 26-Jährigen ihre Idee. „Als wir im September mit der Arbeit anfingen, stießen wir überall auf offene Ohren“, erinnert sich Huk, die gerade ihr Studium der Chemie und Musik (Lehramt) abgeschlossen hatte. Ihre Hochschule sagte sofort Unterstützung zu, der Hessische Rundfunk versprach Sendesaal, Technik und Personal für den Auftritt, die Schillerschule stellte Räume für die Proben zur Verfügung und wurde Kooperationspartner.

Mit eigener Website, Flyern und Mail-Aussendungen auch an die Flüchtlingseinrichtungen in der Region wurde für die Teilnahme am „Flüchtlingsorchester“ geworben. Bald standen 73 Namen auf der Liste. Vor allem Musiker aus Syrien, dem Iran, Afghanistan und Eritrea, aber auch deutsche Kollegen aus Klassik, Jazz, Worldmusic und Pop. Von Mal zu Mal konnte man neue Gesichter bei den Treffen entdecken. Fusion-Gitarrist Torsten de Winkel brachte sich ein; „Blues Blend“-Mundharmonika-Virtuose Henning Eichler gesellte sich dazu; mit Gypsy-Jazz-Gitarrist Bertino Rodmann kam einer mit Punk-Vergangenheit („Strassenjungs“); die Soloflötistin Clara Andrada de la Calle ist nur eines von mehreren Mitgliedern des hr-Sinfonieorchesters in diesem bunt durcheinander gewürfelten Haufen aus Profis und Amateuren, die sich alle auf Augenhöhe begegnen.

Auf dem Konzertprogramm stehen eigens für den Abend geschriebene Arrangements (etwa von Astor Piazzollas „Libertango“) und neue Stücke, zum Beispiel vom Frankfurter Filmmusikkomponisten Rainer Michel. Er hat das Gespür für „fremde“ Musiken wie er schon in seinem Soundtrack für Sander Franckens Film „Bardsongs“ mit Volksmärchen aus Mali, Rajasthan und dem Himalaya beweisen konnte. Er hat genau hingehört, welche Klänge da Instrumenten wie Krar, Oud, Tar oder Rubab entlockt werden.

So wirkt Musik auf unseren Körper

„Wir wollten die Musik nicht vorgeben, etwa Beethovens Neunte umarrangieren, stattdessen bewusst nutzen, was die Leute an Musik mitbringen“, erläutert Julia Huk die Herangehensweise. Es war interessant und aufregend zu beobachten, wie die neun Ensembles zusammenfanden. So hat sich die Folk- und Kammermusik-erfahrene Flötistin Johanna-Leonore Dahlhoff auf die orientalischen Farben iranischer und afghanischer Musik eingelassen, Sängerin Maria Kaplan lässt ihre aramäischen Meditationen u.a. von Trompeten und Posaune kommentieren, bei den Eritreern grundiert ein Didgeridoo die archaischen, nordostafrikanischen Saitenklänge.

Es wird viel zu entdecken geben am 19. April, allerdings ist das Konzert bereits ausverkauft. Nur wenn Reservierungen nicht wahrgenommen werden, kann man vor Ort noch Glück haben und nachrücken. Aber „Bridges“ bleibt über diesen Termin hinaus präsent im Veranstaltungskalender. So hat sich die Brotfabrik schon zwei Termine mit den Musikern des Projekts gesichert. Am 19. Mai und 14. Juni treten dort unterschiedliche Formationen auf.

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