INTERVIEW Agentur für Arbeit Hanau hat die sogenannte Bildungszielplanung festgelegt

Nachhaltige Qualifizierung im Blick

Sophie König ist Bereichsleiterin bei der Agentur für Arbeit in Hanau. Foto: dpa

Hanau – Die Agentur für Arbeit Hanau hat ihre Bildungszielplanung für dieses Jahr festgelegt. Bereichsleiterin der Agentur, Sophie König, erklärt den etwas sperrigen Begriff.

Frau König, warum gibt es bei der Arbeitsagentur eine Bildungszielplanung?

Mit der Bildungszielplanung legen wir die beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen fest, die für die Qualifizierung von arbeitslosen und von Arbeitslosigkeit bedrohten Menschen, aber auch Beschäftigten, notwendig sind. Wir definieren also, wofür wir unsere Mittel in diesem Bereich ausgeben und welche Bildungsziele wir erreichen wollen. Immerhin geht es dabei um rund 3,3 Millionen Euro, die sich aus Beitragsgeldern finanzieren. Bildungsplanziele werden von allen Arbeitsagenturen festgelegt.

Wofür ist das notwendig? Die Weiterbildungsmaßnahmen führen doch andere durch.

Genau das ist der Punkt. Die Planung soll den Bildungsanbietern ermöglichen, ihr Programm so abzustimmen und zu konzipieren, dass auch tatsächlich die Qualifizierungen angeboten werden, die den gewünschten nachhaltigen Effekt haben.

Was wollen Sie damit für Arbeitslose erreichen?

Wir wollen die, die arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind, nachhaltig in Arbeit integrieren. Um das sicherzustellen, ist es für betroffenen Personen eben manchmal notwendig, alte Kenntnisse aufzufrischen oder sich ganz neues Wissen anzueignen. Manchmal müssen sie sich auch ganz neu orientieren.

Wie geht das vor sich? Bekommen sie wie bisher einen Bildungsgutschein?

Ja, Bildungsgutscheine haben sich bewährt. Die Arbeitsagentur arbeitet nach dem Neutralitätsprinzip. Wir ermitteln individuell, welcher Weiterbildungsbedarf besteht und vergeben dann den Bildungsgutschein, den die Person, die sich mit unserer Unterstützung qualifizieren möchte, bei einem zertifizierten Bildungsträger einlösen kann. Damit das entsprechende Angebot bereitsteht, informieren wir mit unserer Bildungszielplanung, welcher Bedarf besteht.

Das heißt, mit dem Bildungsgutschein ist das berufliche Ziel festgelegt, aber den Anbieter wählt der Arbeitslose oder Arbeitsuchende dann selbst aus?

Ja, das ist die Idee dahinter. Vor der Ausgabe des Bildungsgutscheins wird im Gespräch mit der jeweiligen Person, sei sie arbeitslos, arbeitsuchend, beschäftigt oder berufsrückkehrend, individuell festgelegt, wie eine nachhaltige Integration bestmöglich realisiert werden kann. Dabei legen wir gemeinsam fest, welche Qualifizierung dafür notwendig ist. Selbstverständlich beraten wir auch Arbeitgeber, die ihre Beschäftigten zukunftsfähig machen wollen.

Kann man mit Ihrer Hilfe auch einen Beruf wie Erzieherin erlernen?

Ja, wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen. Grundsätzlich fördern wir Berufsabschlüsse mit Externenprüfung – da ist die Erzieherin dabei. Aber ebenso nicht-abschlussorientierte Maßnahmen und betriebliche Einzelschulungen für Menschen, die in Beschäftigung sind. Auch Teilqualifizierungen für Geringqualifizierte sind möglich.

Was ist, wenn jemand in Teilzeit arbeitet?

Teilzeit ist bei Qualifizierungsmaßnahmen grundsätzlich kein Hindernis und wird gefördert. Wir bieten zudem spezielle Beratung für Menschen an, die nach einer Familienphase wieder erwerbstätig sein wollen. Für einen richtigen Wiedereinstieg spielt eine aktuelle Qualifizierung häufig eine wichtige Rolle.

Wo sieht die Hanauer Arbeitsagentur die größte Nachfrage?

Wir brauchen in der Region tatsächlich Erzieherinnen, gesucht werden aber auch Fachkräfte im Logistikbereich und Pflegefachkräfte mit Berufsabschluss. Bei den nicht-abschlussorientierten Maßnahmen sehen wir ebenfalls für Alten- und Pflegekräfte Bedarfe, aber beispielsweise auch für den Erwerb von Lkw-Führerscheinen und Spezialisierungen in kaufmännischen Berufen wie Lohn- und Gehaltsbuchhaltung, SAP, Datev und vieles mehr. Vieles hängt dabei auch von der Entwicklung des Arbeitsmarktes ab.

Fördern Sie auch weiterhin Qualifizierungen wie beispielweisem die Staplerscheine und Schweißerpässe?

Ja, solange Menschen mit dieser Qualifikation gesucht werden.

Sie sagten, dass Sie Arbeitgeber beraten. Hat das mit dem Qualifizierungschancengesetz zu tun?

Ja, genau. Wie gesagt, ermöglichen wir in Absprache mit dem Arbeitgeber betriebliche Einzelschulungen für Menschen in Beschäftigung, ebenso wie Teilqualifizierungen für Männer und Frauen, die geringqualifiziert sind. Da reicht das Spektrum fast quer durch alle Berufssparten.

Wie kann ich als Bildungsanbieter erfahren, wie Ihre Planung aussieht?

Ganz einfach unter: https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/hanau/content/1533734112348

Und Arbeitgeber, die meinen, dass sie ihre Leute zum Beispiel besser auf die Digitalisierung vorbereiten müssen?

Die sollten unseren Arbeitgeber-Service unter Telefon 0800 4 5555 20 kontaktieren. Dort sitzen die Experten, die jedes Unternehmen beraten können, wo welche Qualifizierungen notwendig sind.

Das Gespräch führte

Marc Kuhn

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