Netzwerk „Techettes“ gibt Hilfestellung

Frauen sollen Technik entdecken

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Verena Brodbeck (rechts) und Daniela Zimmermann wollen mit ihrem neuen Netzwerk „Techettes“ Frauen für Technologie begeistern.

Frankfurt - Noch immer ist der Frauenanteil in Technikberufen gering. Das will „Techettes“ ändern. Das Netzwerk will Frauen für Technologie begeistern. Von Khang Nguyen 

Der lichtgeflutete Mehrzweckraum des Frankfurter Social Impact Lab ist gut besucht. Unter den vielen Frauen, die sich hier zwischen lecker hergerichteten Bagels und den hellen Tischen versammelt haben, hat es auch wenige Männer in den Bürokomplex, der sich selbst als „Raum für soziale Innovationen“ bezeichnet, verschlagen. An diesem Ort sollen Start-ups die Möglichkeit haben, sich ungezwungen untereinander auszutauschen und sich gegenseitig zu helfen. So wie auch beim ersten Abend des „Techettes Talk“ (Techettes ausgesprochen „Tekkets“), an dem eine lockere Stimmung herrscht. Rund 50 Teilnehmer hören einen Vortrag über „Scrum“, einer Methode zur effizienteren Softwareentwicklung.

„Wir wollen mehr Frauen für Technologie allgemein begeistern“, lautet die Botschaft von Daniela Zimmermann und Verena Brodbeck. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Thais Coelho, gebürtige Brasilianerin aus Belo Horizonte, sowie Svenja Wagner und Silvia Hundegger haben die beiden Informatikerinnen aus diesem Grund das Netzwerk „Techettes“ gegründet. Der Begriff ist eine Wortneuschöpfung aus dem englischen Begriff „Technique“ und der französischen Endung „-ettes“ für das Weibliche. Seit Mai gibt es die Organisation, die im Frankfurter Social Impact Lab ansässig ist. Neben dem Damennetzwerk haben insgesamt derzeit 35 Personen unterschiedlicher Projekte und Initiativen dort ihre Büros.

Digitale Medien sind überall

Damit die Materie verständlicher wird, demonstriert Coach Silvia Hundegger „Scrum“ anhand von Tennisbällen: Elf Teilnehmerinnen lädt sie ein, die gelben Kugeln in einem Kreis einander weiterzureichen. Dabei dürfen die Bälle allerdings nicht direkt in Hände des anderen gelegt, sondern müssen zueinander hingeworfen werden. Es ist ein hektisches Spiel. Doch die Teilnehmerinnen verzeichnen mit jeder Runde mehr erreichte Bälle: Von neun Bällen in der ersten Runde sind es am Ende ganze 23, die eine komplette Runde passiert haben.

„Heutzutage ist kaum eine Branche ohne digitalen Medien vorstellbar“, erklärt Daniela Zimmermann. Sie selbst ist Software-Entwicklerin beim Automobilzulieferer Continental, Brodbeck arbeitet als Entwicklerin beim Start-up „vaamo“. Aus diesem Grund möchten die Digitalfeen weder das Netzwerk noch die Themen bei den Veranstaltungen komplett abgrenzen. Geplant ist Ende jeden Monats ein Treffen, bei dem unterschiedliche Techniken, Methoden, Werkzeuge oder Neuerungen in der Welt der Technik vorgestellt, zusammen erarbeitet und abschließend resümiert werden können. „Wir möchten Frauen eine Plattform zum Austausch über Technik oder auch mehr bieten“, so Brodbeck. Die „Techettes“ werden von „AndersGründer“ gefördert, welche Menschen ermutigen möchte, eigene Ideen und Lösungsansätze für soziale Probleme umzusetzen. Im Idealfall könnten Synergien entstehen, die zu neuen Start-Ups führen.

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Von einer Abspaltung oder gar Ausgrenzung von anderen, männlichen Technikinteressierten möchte hier aber keiner etwas wissen. „Es geht nicht darum, dass Frauen besser codieren könnten oder so“, erklärt Brodbeck. Ihre Kollegin Zimmermann ergänzt: „Als ich mit dem Programmieren angefangen habe, war ich mitunter die einzige Frau im Raum. Von daher kenne ich es nicht anders.“ Die Vision, den Frauenanteil im männerdominierten Bereich durch „Techettes“ zu steigern, soll zudem den gemeinsamen Austausch fördern.

Wer Interesse an Technik hat oder nur neugierig ist, kann am Donnerstag um 19 Uhr im Social Impact Lab in der Falkstraße 5, Frankfurt Bockenheim, vorbeischauen. Thema der Veranstaltung wird die „User Experience in Produkten“ sein, vorgetragen von Killa Schuetze, Designerin bei der Deutschen Telekom. Um eine Voranmeldung auf Facebook wird gebeten. Auch Männer sind willkommen, sollten aber in Begleitung zweier Damen erscheinen. Der Eintritt ist frei.

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