Betreiber Interxion räumt auch Hanau Perspektiven ein

Neues Rechenzentrum in Offenbach?

Das Unternehmen Interxion bietet Firmen Dienstleistungen in Rechenzentren an. Es betreibt 50 in elf europäischen Ländern, davon zwölf in Frankfurt. -  Fotos: Interxion
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Das Unternehmen Interxion bietet Firmen Dienstleistungen in Rechenzentren an. Es betreibt 50 in elf europäischen Ländern, davon zwölf in Frankfurt.

Frankfurt - Interxion betreibt Rechenzentren in Frankfurt. Jetzt denkt das Unternehmen auch daran, solche Einrichtungen in Offenbach oder Hanau aufzubauen. Von Axel Wölk 

Vom Dach des Rechenzentrum-Betreibers Interxion sehen die Banktürme von Mainhattan zum Greifen nah aus. Diese Nähe – vom weltgrößten Internetknoten aus gesehen – täuscht durchaus nicht: Hier mitten in Frankfurt an der Hanauer Landstraße verlaufen entscheidende Datentrassen nicht nur Deutschlands und seines wichtigsten Finanzplatzes, sondern generell von Europa. Es ist vor allem die geringe Entfernung zu diesen riesigen, aus Glasfaser bestehenden Datenautobahnen, die hier am Main eines der wichtigsten IT-Cluster des Landes entstehen ließ. Wenn alles gut geht, spürt bald auch Offenbach diesen Rückenwind und könnte sich zum großen Standort für Rechenzentren in der Region mausern. „Stadt und Landkreis Offenbach haben Chancen. Da lässt sich was machen“, betont Interxion-Deutschland-Chef Jens Prautzsch. Auch Hanau räumt Prautzsch in dieser Hinsicht einiges an Perspektiven ein. Bisher betreibt die Firma Maincubes ein Rechenzentrum in Offenbach.

Interxion-Deutschland-Chef Jens Prautzsch

In der schönen neuen Welt des Internets dreht sich nämlich so ziemlich alles um Geschwindigkeit. In der Expertensprache bedeutet das, die Latenzzeiten müssen kurz sein. Und da macht die physische Nähe der Internetleitungen zu den Riesen-Datenautobahnen einen ganz entscheidenden Unterschied aus. „Die Daten müssen miteinander reden“, bringt es Interxion-Deutschland-Marketingchefin Mareike Jacobshagen auf den Punkt. Das ist natürlich für den Finanzplatz Frankfurt von allerhöchster Priorität, wo Händler – und heute zum großen Teil auch hochkomplexe Algorithmen – in Sekundenbruchteilen Kauf- und Verkaufsaufträge über die Leitungen schicken. Aber nicht nur sogenannte Hochfrequenzhändler, sondern auch alltäglichere Anwendungen wie Streamingdienste – das könnte Netflix sein – oder ein Mittelständler wie der gleich neben Interxion firmierende Ventiltechnik-Hersteller Samson sind auf kurze Latenzzeiten angewiesen.

So hängt unter dem Strich praktisch ein Großteil der gesamten Volkswirtschaft an diesen IT-Fähigkeiten. Nicht ohne Grund betont Jacobshagen deswegen: „Wir sind eine kritische Infrastruktur.“ Das heißt, die Rechenzentren von Interxion an der Hanauer Landstraße werden mit Argusaugen vom Innenministerium in Berlin beobachtet. Insofern verwundern die immensen Sicherheitsanstrengungen des niederländischen Konzerns kaum. Die Rechenzentren werden hermetisch gegen Gefahren wie Überflutung, Stromausfall, Feuer und Blitz abgesichert. An der Hanauer Landstraße liegt mit Sicherheit der Ort, an dem sich das Internet in Deutschland am ehesten lahmlegen ließe. Nicht zuletzt deswegen ist es Decix, dem Besitzer des weltgrößten Internetknotens in den Räumen von Interxion, so wichtig, dass der Betreiber des Rechenzentrums – hier wo es sich um die nationale Sicherheit dreht – aus Europa stammt.

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Für die Stadt Offenbach bieten sich immense Chancen. Auch in Offenbach sind die Datenautobahnen zum Greifen nahe. Und in Frankfurt gibt es zu Zeiten grassierender Wohnungsnot kaum noch Platz, um weitere Rechenzentren hochzuziehen. So könnten am Standort Offenbach eine ganze Vielzahl dieser Datenzentren entstehen. Den Kämmerer würde es freuen. In Frankfurt zählen die Betreiber der Rechenzentren bereits heute zu den beachtenswerten Gewerbesteuerzahlern. Am Standort Interxions in Frankfurt ist zu hören, dass etwa am Kaiserlei durchaus Platz für hochmoderne Rechenzentren wäre.

Interxion ist nicht unbedingt voll des Lobes für die Wirtschaftsförderung der Stadt Frankfurt. Der Katalog mit Bitten an den Magistrat ist randvoll. So erhofft sich Interxion schnellere Baugenehmigungen, Hilfe bei der Suche nach Flächen und vor allem Unterstützung bei der Abwärmeverwendung. Beim Blick in einen Serverraum am Standort Hanauer Landstraße fällt der Lärm auf. Den verursachen die Kühlsysteme der Server, aber auch des Rechenzentrums, da die Geräte Hitze ausstrahlen, die sich zur Energiegewinnung nutzen ließe. Sie könnte in Fernwärme umgewandelt werden. „Das funktioniert in Schweden besser“, so Jacobshagen. In dieser Hinsicht schielt Interxion offenbar auch nach Offenbach. Von den Stadtvätern Offenbachs erhofft sich Interxion vor allem ein hohes Maß an Stromsicherheit, etwa durch den Energieversorger EVO.

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