Katharina Wagner, Referentin im Planungsdezernat, im Interview

Wohnprojekt im Bahnhofsviertel: „NiKa hat eine große Expertise“

Frankfurt -  Die Stadt Frankfurt hat 2015 beschlossen, Grundstücke und Häuser aus dem Liegenschaftsfond an gemeinschaftliche und genossenschaftliche Wohnprojekte zu vergeben, dazu zählt auch NiKa.

Unsere Mitarbeiterin Anna Scholze hat sich mit Referentin Katharina Flora Wagner aus dem Planungsdezernat zum Thema unterhalten. Die erklärt, warum die Wahl auf NiKa gefallen ist.

Wieso hat sich die Stadt dazu entschieden, Liegenschaften an Wohnprojekte wie NiKa zu vergeben?

Wir als Stadt verfolgen mit dem Liegenschaftsfonds das Ziel, gemeinschaftliche und genossenschaftliche Wohnprojekte zum Zuge kommen zu lassen und sie als Akteure innerhalb des Marktes zu stärken. Wir brauchen genau solche Akteure mit einer anderen Rechtsform, weil sie dauerhaft bezahlbaren Wohnraum schaffen. Hinter NiKa steht kein Investor, der Rendite erwirtschaften will, sondern das Projekt muss lediglich kostendeckend arbeiten. So machen es auch die Genossenschaften. Sie tragen so zur Stabilisierung des Mietmarktes bei.

Die Häuser im Bahnhofsviertel sind per Konzeptverfahren vergeben worden. Was war an NiKa überzeugend?

NiKa ist zum einen eine Gruppe, die beim gemeinschaftlichen Wohnen bereits eine große Expertise mitgebracht hat. Sie hatte schon mehrere Projekte versucht. Ein Teil der Gruppe war etwa im Philosophicum-Prozess involviert. Außerdem hat die Wohngemeinschaft eine Liegenschaft in Offenbach, bei der sie aktiv versuchten, ihr Konzept umzusetzen. Sie haben als Gruppe lange zusammengearbeitet und waren sehr weit.

Das heißt?

Sie hatten bereits ein gutes Konzept, wie sie gemeinsam wohnen wollen. Sie haben aber auch eine klare politische Ausrichtung und einen überzeugenden Plan, was sie im und für den Stadtteil anbieten wollen. Und das hat zusammen mit einem Architekten, den sie schon an der Hand hatten, und einem guten Finanzierungskonzept sowie der passenden Rechtsform den Ausschlag gegeben.

Das Bahnhofsviertel gilt nicht als sicherster Ort. Warum hat sich die Stadt dazu entschieden, gerade da Liegenschaften zu vergeben?

Im Bahnhofsviertel ist in den letzten Jahren viel passiert. Es gibt etwa Förderungsprogramme, die das Wohnen im Viertel stärken. Wir haben das Angebot in dem Bewusstsein gemacht, dass das Bahnhofsviertel ein Wohnort ist, den sich nicht jeder für sich vorstellen kann, und trotzdem sind wir damit auf positive Resonanz gestoßen. Ein Teil der Wahrheit ist aber auch, dass wir nicht unbegrenzt über Liegenschaften verfügen und die beiden Häuser konnten wir ziemlich kurzfristig zur Verfügung stellen.
Sie haben auf die politische Ausrichtung und die Angebote hingewiesen, durch die NiKa Menschen aus dem Stadtteil in ihr Projekt integrieren will. Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass sich Süchtige, Drogendealer und Prostituierte einbeziehen lassen?

Sie müssen ja nicht einbezogen werden, diesen Anspruch stellen wir nicht, vielmehr geht es darum, mit dem vorhandenen Milieu gütlich leben zu können. Ob das funktioniert, hängt zum Beispiel damit zusammen, wie das Erdgeschoss genutzt wird. NiKa hat drei Räume im Erdgeschoss, die wir bei der Konzeptvergabe als öffentlichkeitswirksame Räume vorgesehen haben. Die Ausgestaltung haben wir den Wohnprojekten überlassen. Die Idee von Nika, unter anderem eine Sozialberatung zu integrieren und Raum für Künstler zu schaffen, fanden wir passend für das Viertel.

Die Stadt hat auch an anderen Stellen Liegenschaften ausgeschrieben. Gibt es dafür bereits Interessenten?

Wir haben bisher fünf Projekte vergeben. Sie befinden sich in unterschiedlichen Projektstadien. Das letzte, das wir vergeben haben, ist am Sossenheimer Weg in Unterliederbach. Die Projektgruppe konstituiert sich derzeit. Sie finalisiert gerade ihre Rechtsform und entscheidet über ihre Architektur. Eine Ausschreibung in einem Frankfurter Neubauquartier – dem Hilgenfeld – steht außerdem in den Startlöchern.

Frankfurt: Mehr als nur Hochhäuser

Inwiefern unterscheiden sich die Hausprojekte von NiKa?

Sie unterscheiden sich von der Ausprägung, wie die Teilnehmer gemeinschaftlich wohnen wollen. Bei NiKa gibt es WGs und Großhaushalte mit sieben Bewohnern auf einer Etage. Dieses Konzept funktioniert nicht für alle. Es gibt Projekte, die vor allem Familienwohnen zum Thema haben. Dort wird in mehr oder weniger klassisch abgeschlossenen Wohnungen gelebt, aber darüber hinaus will man Räume teilen. Am Sossenheimer Weg steht integratives Wohnen im Fokus. Bei fast allen Projekten spielt Suffizienz eine Rolle. Also: Mit wie wenig Fläche komme ich im alltäglichen Leben aus, und welche Angebote lassen sich teilen. Oft fällt der Slogan: Der Luxus liegt im Teilen.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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