Karikaturisten stellen in Frankfurt aus

Oase für Schwarzlacher

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Vierzig Grad im Schatten, die blonde Matte hält. Nicht nur bei der Präsidentschaftswahl, sondern auch beim Sommerfrisuren-Contest siegt Trump. Hier knapp vor Geert Wilders und Boris Johnson

Frankfurt - Wenn Hitler nach dem Führerschein gefragt wird und Erdogan die Merkel tanzen lässt: In Karikaturen ist fast alles möglich. Das Magazin „Der Stern“ bietet Künstlern viel Platz für schöne Schweinereien und bittere Bilder. Von Eva-Maria Lill

Aktuell zeichnen Til Mette, Gerhard Haderer und Tetsche für das Wochenblatt. Ihre besten Werke sind ab heute im Caricatura Museum Frankfurt zu sehen. Donald Trump hat die Haare schön. Und Merkel erst. Wenn sie wilden Walzer für Erdogan tanzt, schaut die deutsche Übermama allerdings alles andere als glücklich aus. Mit Kneifmund reckt sie kleine Hände in die Höhe, während der Türkei-Tyrann mit Sabber im Mundwinkel die Strippen zieht. Fies, aber das muss so: Gerhard Haderer weiß, was er tut. Er ist schließlich Karikaturist. Und ein guter dazu, der sein Geld beim Magazin „Der Stern“ verdient. Gemeinsam mit Werken von Til Mette und Tetsche sind seine Bilder ab heute im Caricatura Museum Frankfurt zu sehen.

Karikaturen haben ehrenvolle Tradition im Hamburger Wochenmagazin. Schon Gründer Henri Nannen wusste 1948 um den Stellenwert von klugem Humor mit bissigem Tuscheschlag. Er wehrte sich vehement gegen den Trend, Karikaturen auf Mischseiten oder in Klamauk-Rubriken zu verstecken. Nicht nur, dass Nannen die bösen Bildchen gegen jede Kritik verteidigte, in den Fünfzigern hob er sie sogar auf ein Samtkissen mitten im Stern: ein Humor-Ressort mit je einer Seite für die Zeichner – einzigartig in Deutschland. „Nannen hat erkannt, dass guter Witz essenziell fürs Image sein kann. Leser quittieren Mut mit Treue“, erklärt Caricactura-Chef Achim Frenz zur Ausstellungs-Eröffnung im Frankfurter Museum.

Die ersten Sternstunden des schwarzen oder absurden Humors zauberten Loriot, Markus, Peter Neugebauer und Papan. Nannen soll einmal in einem Interview gesagt haben, dass er die Pointen seiner Zeichner häufig nicht kapiert, aber ihre Arbeit immer hochgeschätzt hat. Tobias Schülert, aktuell Redakteur im Humor-Ressort, bestätigt: „Humor ist eine Oase im Heft zwischen all den schlechten Nachrichten, aber äußerst subjektiv.“ Daher kommt wohl auch, dass die drei Großen des Magazins sehr verschiedene Fans auf sich vereinen. Til Mette, Gerhard Haderer und Tetsche zeichnen alle mit spitzer Feder, aber mit unterschiedlich fieser Tinte. Im Caricatura Museum bekommen sie je ein paar Quadratmeter für insgesamt 187 Originalzeichnungen, Drucke, Figuren und Bilderrätsel.

Die Schau „Sternbilder“ ist vor allem eins: sehr, sehr komisch. Besonders bei Mette wäre etwas weniger allerdings mehr gewesen, zu viele Zeichnungen auf zu engem Raum erdrücken die Komik und laden eher zum raschen Drüberschmunzeln als zum tiefen Dauerlachen. Aber: Gerade in ihrer Gegenüberstellung brillieren die Herren. Haderer, seit 1991 beim Stern, beeindruckt mit seinem präzise-realistischen Stiftstrich und dem Gespür fürs politisch Brennende, sei es Facebook, Putin oder Pferdefleisch-Lasagne.

Dagegen Mette mit verspielter Lässigkeit, Schwarz-Weiß und wie im Vorbeifliegen aufs Papier gekritzelt, Pointen ohne Schnickschnack. Tetsche bleibt der Meister des Absurden. Auf den ersten, zweiten Blick sind seine Bilder weniger detailreich als die der Kollegen, wer genau hinschaut, kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus. Da warten Hingekritzeltes und seine Markenzeichen Spiegelei und Pömpel auf geneigte Witzliebhaber. Ergänzt wird die Schau von Zeichnungen der Karikaturseite „Ein Quantum Trost“, die Tobias Schülert seit 2013 betreut. Lachgarantie, nicht nur für Karikatur-Puristen.

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