Gitarrengeschrammel und euphorische Trompeten

Punk und Politik: Feine Sahne Fischfilet in der Batschkapp

Zwei ausverkaufte Shows liefern Feine Sahne Fischfilet in dem Frankfurter Musikklub. J  Foto: Rothschild
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Zwei ausverkaufte Shows liefern Feine Sahne Fischfilet in dem Frankfurter Musikklub.

Frankfurt - „Punk ey, Junge, Junge,was bist du alt geworden. Erkannt hab ich dich nur an den gleichen drei Akkorden“, heißt es sympathisch-selbstironisch im Lied der Band Alarmsignal, Vorgruppe beim Konzert von Feine Sahne Fischfilet (FSF) in der Frankfurter Batschkapp. Von Tamara Marszalkowski

Dass der Punk noch quicklebendig ist, beweist auch der Haupt-Act des Abends. Die Sechs knallen dem Publikum den Song „Zurück in unserer Stadt“ um die Ohren. Hinter ihnen ist ein riesiges Bild vom Meer zu sehen. Die See spielt für die in Greifswald gegründete Band eine wichtige Rolle. Das merkt man auch später immer wieder – zum Beispiel beim Song „Warten auf das Meer“.

Die hoch politische Band verbindet damit allerdings auch andere Assoziationen. FSF engagiert sich für Flüchtlinge. So animiert Sänger Jan „Monchi“ Gorkow die Fans lieber die mit einem Stand vertretene Seenotrettungs-Organisation zu unterstützen als Merchandise der Band zu kaufen. Er spricht auch Brandanschläge auf linke Zentren an. „Was man aus Frankfurt mitbekommen hat, da kriegt man Gänsehaut“, sagt er und ruft zur Teilnahme an einer Demonstration auf – „lieber dahin als zu uns aufs Konzert“ – und widmet den Frankfurtern den Song „Solange es brennt“. Er erzählt von der Thüringer Landtagsabgeordneten und seiner Freundin Katharina König-Preuss, die Mitglied der NSU-Untersuchungsausschüsse ist und Morddrohungen von rechten Gruppen bekommt.

Und trotz dieser sehr ernsten Zwischentöne ist die Stimmung insgesamt sehr positiv und ausgelassen. Sympathisches Chaos hat die Oberhand. So holt Trompeter Max Bobzin ein Schlauchboot in Form einer Banane auf die Bühne, setzt sich drauf und stürzt sich damit in die Masse. Ein kurzer, wilder Ritt auf den Händen seiner Fans. Monchi wirft immer mal wieder volle Flaschen Bier ins Publikum, die dankbar aufgefangen werden.

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Die Musik, eine Mischung aus Gitarrengeschrammel und euphorischen Trompeten, animiert zum Feiern – dafür muss man längst nicht bei der Antifa sein. Die Band, die auch mal vom Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern beobachtet wurde, geriet in den letzten Monaten immer wieder in den Fokus der Medien, etwa durch das Konzert nach den Ausschreitungen in Chemnitz oder den verhinderten Auftritt im Bauhaus Dessau.

In Frankfurt spielen Feine Sahne zwei Tage in Folge vor ausverkauftem Haus. Man merkt der Band an, dass sie es gewohnt ist, ein großes Publikum zu bewegen. Nach knapp zwei Stunden bleibt ein rundum zufriedenes Publikum zurück: verschwitzt und glücklich.

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