Rund 1000 Polizei- und Zollbeamte in Rhein-Main im Einsatz

Großrazzia gegen Schwarzarbeit - vier Festnahmen

Frankfurt/Gießen - Unter dem Decknamen „Midas“ ermitteln Frankfurter Zoll und Staatsanwaltschaft gegen einen Familienclan. Mit einem Netzwerk von Bau- und Scheinfirmen soll er den Staat um Millionen Euro geprellt haben. Nun kam es zur Großrazzia in mehreren Bundesländern.

Rund 1000 Polizisten und Zoll-Mitarbeiter, darunter SEK-Beamte, sind in mehreren Bundesländern bei einer Großrazzia am Donnerstag gegen Schwarzarbeit auf dem Bau vorgegangen. Vier mutmaßliche Haupttäter eines Familienclans im Alter von 29 bis 53 Jahren wurden festgenommen, teilten die Frankfurter Staatsanwaltschaft und Vertreter des Hauptzollamts Gießen mit. Es gehe um Steuerhinterziehung und Betrug in Millionenhöhe.

Schwerpunkt der Razzien war das Rhein-Main-Gebiet. Auch in Hamburg, Bremen und Bayern durchsuchten Ermittler der Finanzkontrolle Schwarzarbeit mehr als 50 Wohnungen und Geschäftsräume. Erfolgreich war zudem der Einsatz von Bargeldspürhunden: In einer Wohnung erschnüffelte ein Spürhund 120.000 Euro, hieß es. Ein Teil des Geldes war zusammen mit einer Schreckschusswaffe in einem Sofa versteckt. Insgesamt wurden mehr als 160.000 Euro Bargeld sowie zwei Waffen sichergestellt. Nun müssen zahlreiche Daten aus Computern und Mobiltelefonen ausgewertet werden.

Der Einsatz trug den Decknamen „Midas“. In der griechischen Mythologie soll der König Midas alles zu Gold gemacht haben, was er berührte. Die Mitglieder eines aus dem ehemaligen Jugoslawien stammenden Familienclans sollen ein Netzwerk von Bau- und Scheinfirmen aufgebaut haben. Neben Betrug und Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben wird ihnen auch Schleusung im großen Stil vorgeworfen. Im Zuge der Durchsuchungen wurden gegen mehr als 120 Arbeiter Ermittlungen wegen des Verdachts auf unerlaubten Aufenthalt in Deutschland eingeleitet.

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„Wir haben es zunehmend mit solchen organisierten, komplexen Strukturen der Schwarzarbeit zu tun, die für enorme Schäden für die Sozialkassen sorgen“, sagte Michael Bender, Sprecher der Zoll-Soko „Rhein-Main“. Das Rhein-Main-Gebiet sei hierbei ein Brennpunkt.

Zwei der nun festgenommenen Männer sollen neben zwei Baufirmen ein Geflecht von Scheinfirmen betrieben haben, um für die eigenen Unternehmen sowie für Dritte mit Scheinrechnungen in Höhe von insgesamt mehr als 70 Millionen Euro Schwarzgeld angehäuft haben, um damit eingesetzte Schwarzarbeiter zu bezahlen. In den vergangenen vier Jahren sollen sie Bauaufträge für mehr als 50 Millionen Euro überwiegend auf Großbaustellen in Hessen mit Schwarzarbeitern und illegalem Personal ausgeführt haben. Hunderte ausländischer Arbeiter aus Serbien, Bosnien und Herzegowina sollen dabei vermeintlich legal auf den Baustellen eingesetzt worden sein.

In Hessen waren die Ermittler in Frankfurt/Main, Offenbach, Maintal, Bad Nauheim und Idstein im Einsatz. In Frankfurt werde der Hauptsitz der beschuldigten Baufirmen durchsucht, sagte Stefanie Eisenfeller von der Sonderkommission Rhein-Main I. In Maintal durchsuchten die Fahnder ein Hotel, in dem Schwarzarbeiter untergebracht sein sollen. Auch das Hotelpersonal sei nicht ordnungsgemäß beschäftigt worden, hieß es.

In Nordrhein-Westfalen gab es neben einer Durchsuchung von Geschäftsräumen in Hagen einen größeren Einsatz in Gütersloh. „Eine Spezialeinheit des Zollkriminalamtes hat das Haus eines gewaltbereiten mutmaßlichen Schleusers gestürmt“, sagte Eisenfeller. Der Mann sei überwältigt worden. (dpa)

Rubriklistenbild: © Archivbild: Boris Roessler/dpa

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