„Multitalent und fast ein Genie“

Caricatura-Museum widmet Robert Gernhardt eine Ausstellung

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„Der ewige Molch“ aus dem Bildgedicht-Sammelband „Hier spricht der Dichter!“

Frankfurt - Robert Gernhardt schrieb satirische Texte, malte, dichtete und zeichnete. Heute wäre der Vieltalentierte 80 Jahre alt geworden. Das Caricatura- Museum Frankfurt widmet ihm nun eine Ausstellung, voll mit Hirn und Hintersinn.

Wenn ein Märchen in Erfüllung geht, kann es brenzlig werden. So etwa beim Bahnwärter, dem ein Frosch verspricht: „Küss mich – und ich werde eine wunderschöne Bahnwärtergattin!“. Nach einigem Zögern traut sich der Verdutzte – und vor ihm steht eine exakte Kopie seiner Frau. Während sich daheim die Gattinnen-Klone über die Vorhänge unterhalten, schenkt er sich einen Schnaps ein: „Das ging ja noch mal gut!“, sagt er.

Die in der Satire-Zeitschrift „Titanic“ veröffentlichte Bildergeschichte ist eine der Zeichnungen von Robert Gernhardt (1937-2006), die das Caricatura-Museum Frankfurt zum 80. Geburtstag des Malers, Lyrikers, Schriftstellers und Drehbuchautors zeigt. Die Schau ist bis April zu sehen. „Gernhardt war ein Meister der Bildergeschichten und -gedichte“, sagte Museums-Leiter Achim Frenz gestern bei der Eröffnung. „Er war ein Multitalent, fast ein Genie. Sein künstlerisches Gesamtwerk ist eine Mischung aus Komik, Ernst und Reflexion.“

Robert Gernhardt

Gernhardt hat mit seinem zeichnerischen und dichterischen Können häufig absurde, jedenfalls hintersinnige Bildgeschichten geschaffen. Geschätzt wurde er vor allem für seine Stärke, mit scheinbar banaler Leichtigkeit alles um sich herum poetisch niederzuschreiben. „Ich weiß nicht, was ich bin. / Ich schreibe das gleich hin. / Da hab’n wir den Salat: / Ich bin ein Literat.“ Er setzte sich in seinen über 40 Einzel- und Sammelbänden mit einer Vielzahl an Themen auseinander – von Krankheit über Gott und die Welt bis hin zu aktueller Tagespolitik.

Zu sehen sind in der Ausstellung Bildergeschichten, Cartoons und Comic-Strips mit Bleistift oder Pastellkreiden sowie Illustrationen. Von den 351 Exponaten aus der Sammlung des Museums seien 260 Originale, erläutert Kuratorin Lea Willimann. Besucher können darüber hinaus von Gernhardt gesprochene Texte oder Gedichte anhören. Zu bewundern ist auch die Plüschtier-Version des Grüngürteltiers – ein Geschöpf von Gernhardt, das er einmal als „das Kreuzungsergebnis aus Wutz, Molch und Star“ bezeichnete.

Neben Hintersinnigem liebte Gernhardt auch den Kalauer. In einer Bildgeschichte etwa spricht eine Frau am Telefon: „Es ist für Familie Hörger – wie Hörgeräte ohne äte“. Ohnehin gehörten Wortspiele und Parodien zu den Markenzeichen Gernhardts, der im Gebiet des heutigen Estland geboren wurde und nach seinem Studium der Malerei und Germanistik 1964 nach Frankfurt kam. Dort wurde er zum Mitbegründer der „Neuen Frankfurter Schule“, wie der Kreis der Karikaturisten um die Satire-Zeitschrift „Pardon“ genannt wurde. Sein Geburtstag sei dem Caricatura-Museum eine besondere Verpflichtung, sagt Museumsleiter Frenz. Denn Gernhardt sei maßgeblich daran beteiligt gewesen, „dass Frankfurt zur Hauptstadt der Satire wurde. Er fehlt uns bis heute sehr.“

Karikaturen-Ausstellung in Hanau

Gernhardt starb 2006 mit 68 Jahren an Krebs. Seine Eintragungen im Anfang Juni 2006 begonnenen Heft enden mit der Skizze einer schlafenden Katze und den Worten: „Die Gegenwart, die mich davon abhält, mir über die Zukunft allzu viele Gedanken zu machen. Noch, noch...“  (dpa/epd)

Robert Gernhardt, Ausstellung bis 15. April im Caricatura-Museum Frankfurt, Weckmarkt 17, Di.-So. 11-18 Uhr, Mi. 11-21 Uhr

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