Schöne neue Kunstwelt

Rundgang an der Städelschule: Studierende zeigen Arbeiten

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Zurück in die Zukunft: Unser Autor Eugen El versetzt sich virtuell in ein Kunstwerk von Marcel Duchamp aus dem 20. Jahrhundert. Möglich macht’s die Virtual-Reality-Installation der Architekturklasse an der Städelschule.

Frankfurt - Hier entsteht die Kunst: Von heute an bis zum 5. Juni zeigen Studenten der Frankfurter Städelschule ihre experimentellen, politischen und kritischen Arbeiten oder Entwürfe. Ein Rundgang durch reale und virtuelle Räume. Von Eugen El

Sie ist ein Blickfang. Eine viereinhalb Meter hohe Pappmaché-Plastik steht, an eine Säule angelehnt, im Lichthof der Städelschule. Die Skulptur zeigt einen Kunsttransportarbeiter bei der Zigarettenpause. Städel-Student Max Eulitz möchte damit „den Leuten, die die Kunst mittragen, ein temporäres Monument setzen“. Viele Künstler arbeiten als Aufbauhelfer für Museen, Galerien oder Kunsttransportunternehmen. Auch Eulitz hat Erfahrung auf diesem Gebiet. Die Skulptur „ist eine Hommage an meine Kollegen“, sagt er. Als Vorbild dienten Eulitz Figuren auf Karnevalswagen. Besonders lang ist der diesjährige Rundgang der Städelschule.

Er wird einen Tag früher eröffnet und endet, einen Tag später als üblich, am Pfingstmontag. „Es ist ein besonderes Jahr für uns“, erklärt Judith Hopf, Kunstprofessorin und Prorektorin an der Städelschule. Die international renommierte Kunsthochschule feiert schließlich ihr 200-Jahre-Jubiläum. Neben den Ausstellungen der Fachbereiche Freie Bildende Kunst und Architektur gibt es diesmal ein umfangreiches Performanceprogramm. Auch Führungen werden angeboten. Die Studenten des Masterstudiengangs „Curatorial Studies“ veranstalten zudem Gespräche mit Künstlern, Kritikern und Kuratoren. Aber Größe ist nicht alles, auch das lehrt dieser Rundgang. So zeigt Ryan Karlsson auf dem Boden seines Ateliers eine winzige Malerpuppe vor ebenso winzigen Gemälden.

Aus dem Titel der Arbeit spricht Galgenhumor: „Kleiner Maler mit mittelgroßen Auftragsgemälden und großem Studienkredit“. Dabei zieht die Städelschule viele internationale Bewerber an, weil sie keine Studiengebühren erhebt. Kostenpflichtig ist hingegen der Aufbaustudiengang Architektur. Neben experimentellen Entwürfen zeigen die Architekturstudenten eine Virtual-Reality-Installation. Sie haben Marcel Duchamps zwischen 1915 und 1923 entstandenes Werk „The Large Glass“ in eine begehbare 3D-Landschaft verwandelt. Der Besucher kann sich mittels VR-Brille in die virtuelle Umgebung versetzen und sich darin bewegen. Das Erlebnis ist lohnenswert, wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig.

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Einen politischen Hintergrund hat Nadia Perlovs Videoarbeit „Lost Pardess – Maybe Paradise“. Perlov hat den Werdegang der „Jaffa“-Orange zum Symbol des israelischen Nationalstolzes untersucht. Die aus Israel stammende Studentin inszeniert sich in ihrem Video als überdrehte Geschäftsfrau. Sie interpretiert populäre hebräischsprachige Lieder, die sich um die Orange drehen. Vor der Staatsgründung Israels im Jahr 1948 arbeiteten Juden und Araber auf den Orangenplantagen in Jaffa zusammen, erzählt Perlov.

Beim Rundgang begegnet der Besucher erstaunlich viel Malerei. Dabei gilt die Städelschule als Hochburg der Konzeptkunst. Lennart Constant studiert bei der New Yorker Malerin Amy Sillman. Er zeigt mehrere cartoonhaft anmutende Figurenbilder auf Leinwand. Sie basieren auf schnellen Skizzen, die Constant in einem langwierigen Arbeitsprozess auf Leinwand übertragen hat. Selbst die Lineatur des Skizzenhefts hat er nachgemalt. Außerdem hat er aus Flaschen und anderen Alltagsobjekten figurative Skulpturen angefertigt. „Ich wollte etwas verspielter arbeiten“, erläutert er.

Rundgang 2017: Jahresausstellung der Studenten der Städelschule Frankfurt, bis 5. Juni täglich 10 bis 20 Uhr, Dürerstraße 10 und Daimlerstraße 32.

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