„Lieblingsmensch“ auf Platz vier der Charts

„Bundesvision Song Contest“: Sängerin Namika für Hessen

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Die Frankfurter Sängerin Namika.

Frankfurt - Deutscher Pop mit orientalischen Farben: Die Frankfurterin Namika vertritt am Freitagabend Hessen beim „Bundesvision Song Contest“. Von Detlef Kinsler

Als Stefan Raab 2005 den „Bundesvision Song Contest“ (kurz: BuViSoCo) ins Leben rief, hegte man kurz die Hoffnung, er würde das neue TV-Format für Nachwuchsförderung nutzen. Immerhin hatten durch seine „Deutschland sucht den Superstar“-Parodie in der ProSieben-Late-Night-Show „TV Total“ junge Künstler jenseits der DSDS-Norm wie Max Mutzke, Gregor Meyle und Stefanie Heinzmann ihr Publikum gefunden. Im Gegensatz zu vielen Casting-Gewinnern, die ihre – frei nach Andy Warhol – fünfzehn Minuten Ruhm genossen, konnten sich die drei behaupten. Doch nach zehn Jahren weiß man es besser: der „BuViSoCo“ ist vor allem eine Plattform für bereits Etablierte, was nicht zuletzt Gewinner mit Namen wie Seeed, Peter Fox, Unheilig und Revolverheld unterstreichen. Der erste Wettbewerb vor zehn Jahren wurde übrigens von Juli gewonnen, einziger hessischer Erfolg bis heute. Auch daher liegt Hessen in der ewigen Punkteliste der 16 Bundesländer nur auf Platz 9.

Beim 11. Bundesvision Song Contest an diesem Freitag (29. August) in Bremen vertritt die junge Frankfurter Sängerin Namika die hessischen Farben. Ihre Konkurrenz ist recht namhaft, darunter musikalische Prominenz wie Ferris MC, Glasperlenspiel, Mark Foster und Yvonne Catterfeld. Doch auch Namika konnte in den vergangenen Wochen punkten. Ihre erste Single, „Lieblingsmensch“, kletterte auf Platz vier der Charts. Außerdem geht sie bald auf Tour und wird im Vorprgramm von Teesy auftreten.

Namika bedeutet „Die Schreiberin“

Eine musikalische Vergangenheit hat Hanan Hamdi, so Namikas bürgerlicher Name, als Hän Violett. „Mehr 90er Jahre Rap und ein bisschen tougher, was aber zur Attitude total dazu gehörte“, erzählt die 23-Jährige von dieser Zeit. Ihr „Mixtape“ damals hat sie selbst produziert. „Dadurch wurden die Leute auf mich aufmerksam, ich habe diesen Deal bei einem Majorlabel und so das Privileg bekommen, jetzt mit Superprofis im Studio zusammenzuarbeiten.“ Ihr neues Team, die Beatgees, fand sie in Berlin. Mit ihnen ging sie das Projekt Namika an. „Ich wollte einen Neustart machen mit diesem Album. Daher auch der neue Name“, erklärt sie. Namika bedeutet „Die Schreiberin“.

Die Geschichten, die sie auf ihrem Debütalbum „Nador“ erzählt, reflektieren zwei Welten. „Hellwach“, ihr Beitrag beim „Bundesvision Song Contest“, ist eine „Wir machen den Tag zur Nacht“-Hymne aus dem Jetzt, während ihr Stück „90’s Kids“ von ihrer Kindheit in Frankfurt handelt. Das sei „ein Mikrokosmos aus Super-Mario, ,Macarena’, Bauchfrei-Tops, Tupac und Hubba-Bubba“ gewesen, erinnert sie sich.

Im Kontrast dazu weckt der Titelsong ihrer CD Erinnerungen an den Geruch von Safran, Honiggebäck und gegrilltem Fleisch auf der Straße. „Meine Großeltern sind vor knapp vierzig Jahren nach Deutschland ausgewandert, um hier ein neues Leben anzufangen. Ich bin jetzt mittlerweile die dritte Generation“, erzählt Namika. Als Kind verbrachte sie mit den Eltern jeden Sommerurlaub in der Hafenstadt Nador im nordöstlichen Marokko. Alles fühlte sich da ganz natürlich für sie an. Erst als Heranwachsende wurden ihr die Unterschiede bewusst. „Ich war dann plötzlich die Marokkanerin mit den deutschen Wurzeln. Hier ist es witzigerweise ungekehrt: hier bin ich die Deutsche mit den marokkanischen Wurzeln“, bemerkte sie. „In Nador ist mir das alles aufgefallen, deshalb ist Nador auch ein Synonym für Selbstfindung. Deshalb habe ich mein Album so genannt.“

Die Musik auf dem Album ist deutschsprachiger Pop mit R&B- und Hip-Hop-Elementen, es wird gesungen und gerappt. Und es gibt orientalische Farben und Grooves im Namika-Sound. „Wenn ich in Marokko bin, schlendere ich gerne durch den Bazar und höre traditionelle marokkanische Musik, die ich sehr gerne mag“, schwärmt sie. Sie kennt die Lieder der Berber, weiß wer Oum Kalthoum, die ruhmreiche „Maria Callas der arabischen Welt“, ist. Im Maghreb gibt es eine lebendige Rapszene. Wie wäre es da mit einer Kontaktaufnahme? „Ich bin da sehr offen für einen kreativen Austausch. Man muss halt schauen, wo die Zukunft hinführt“, sagt sie.

Live ist Namika am 5. November in Frankfurt in der Jugend- und Kulturkirche Sankt Peter zu erleben. Davor steht aber erst ihr großer Auftritt beim „Bundesvision Song Contest“, den ProSieben an diesem Freitag (28. August) ab 20.15 Uhr überträgt.

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