Das Frankfurter MMK holt Kunst aus dem Bestand der DekaBank ins Museum

Schlummernde Vielfalt

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Michael Pfrommer, „Ohne Titel“ (2015) J   Foto: W. Günzel / Pfrommer / Philipp Pflug Contemporary

Frankfurt -  Normalerweise zieren sie Büros und Flure in der Zentrale der DekaBank. Jetzt zeigt das Frankfurter Museum für Moderne Kunst (MMK) einige Arbeiten aus dem Besitz der Bank erstmals im öffentlichen Raum. Von Eugen El

Im Dialog mit Werken aus der eigenen Sammlung soll unter dem Titel „Soziale Fassaden“ ein Blick hinter die Kulissen der Gesellschaft geworfen werden.

Irgendetwas stimmt mit diesem Wartezimmer nicht. Die Topfpflanze wirkt trostlos und vertrocknet. Auf dem Bildschirm, der eine Wartenummer anzeigen soll, leuchten nur drei Nullen. Neben den Plastikstühlen liegen – statt der üblichen Zeitschriften – Magazine zu abseitigen Themen. Über der grauen Doppeltür prangt der Schriftzug „Meldeamt“. Dieses Wartezimmer ist eine Rauminstallation des Künstlerduos Elmgreen & Dragset aus dem Jahr 2003. Es ist im MMK 1, dem Hauptgebäude des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, nun als Teil der Ausstellung „Soziale Fassaden“ zu sehen. Mario Kramer hat die Schau kuratiert.

Er führt Werke aus MMK-Beständen mit Arbeiten aus der Kunstsammlung der DekaBank zusammen. Seit 15 Jahren erwirbt das Finanzinstitut zeitgenössische Kunst. Inzwischen umfasst die Sammlung etwa 1 400 Arbeiten. „Wichtig ist für uns, dass die Kunstwerke nicht dekorativ sind“, sagt Silke Schuster-Müller, Co-Leiterin der DekaBank-Kunstsammlung. Normalerweise zieren sie Büros und Flure der Frankfurter Bankzentrale.

Die ältesten Werke der Schau stammen von Martin Kippenberger (1953-1997): Es sind Plakate und Siebdrucke, in denen es zum Beispiel um provokante Ausstellungstitel geht. Eine Bonner Galerieschau überschrieb Kippenberger etwa mit „Was ist Ihre Lieblingsminderheit?“. Auf einem Plakat posiert er vor dem deutschen Biennale-Pavillon in Venedig. Allerdings hat Kippenberger dort nie ausgestellt. Ergänzt werden die Fotografien von Michael Deistler, der Kippenberger 1979 porträtierte. Sie zeigen den 24-Jährigen in aufgekratzter Stimmung.

Die Arbeiten, die in der Schau gezeigt werden, sollen – darauf spielt auch der Titel „Soziale Fassaden“ an – einen Blick hinter die Kulissen werfen. Eindrücklich ist Sarah Morris’ etwa 80-minütiger Dokumentarfilm „Beijing“. Er entstand in Peking vor und während der Olympischen Sommerspiele 2008. Von einem elektronischen Soundtrack ihres damaligen Partners, des Künstlers Liam Gillick begleitet, gewährt der großformatig projizierte Film Einblicke in den olympischen Alltag. Morris blicke „hinter die Fassaden eines Landes zum Zeitpunkt höchster öffentlicher Aufmerksamkeit“, erläutert Mario Kramer. Im abgedunkelten Ausstellungsraum sind außerdem drei Gemälde von Sarah Morris zu sehen, die architektonisch-kristalline Rasterstrukturen zeigen. Mehrere Werke von Liam Gillick vervollständigen den Dialog.

Die wohl jüngsten Kunstwerke in der sehenswerten Schau sind von Jonas Weichsel. Der 1982 geborene Frankfurter Künstler ist mit fünf Arbeiten aus der DekaBank-Sammlung und einem großformatigen Gemälde aus MMK-Besitz vertreten. Weichsel sei „der große Minimalist“ unter den ausstellenden Künstlern, sagt Mario Kramer. Weichsels Bilder wirken kontrolliert: Mal ist es ein endloses, flirrendes Gitter, anderswo zeichnen sich filigrane, räumliche Liniengebilde ab. Weichsels abstrakte Malerei fordert zum genauen Hinsehen heraus.

‘ „Soziale Fassaden“, bis 9. September im MMK, geöffnet Di. bis So. 10-18 Uhr, Mi. 10-20 Uhr

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