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Dippemess: So funktioniert der „Skyfall“

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Der "Skyfall" auf der Frankfurter Dippemess von unten: Hochmagnetisierte Bremsbacken umschließen mit geringem Abstand über die gesamte Falllänge die sogenannte Finne. Je näher die Gondel dem Boden kommt, umso kräftiger wirken die Bremsen.

Frankfurt - Er ist der Star der diesjährigen Dippemess – überragt Riesenrad und Achterbahn und bietet einen fantastischen Blick über ganz Frankfurt: Der „Skyfall“ (Sturz vom Himmel) ist der höchste transportable Free-Fall-Tower der Welt. Er spielt mit Angst und Erdanziehung – 24 Menschen stürzen mit ihm 80 Meter im „freien Fall“ in die Tiefe.  Von Michael Eschenauer

„Das ist unsere Premiere in Frankfurt. Sonst sind wir zu dieser Zeit immer beim Foire du Trône in Paris“, sagt Stefan Goetzke, Sohn der Münchner Betreiberfamilie Michael Goetzke. Sicherheit ist für so ein rund 2,9 Millionen Euro teures Monstrum oberstes Geschäftsprinzip. Ein Unfall, und die Pleite ist da. Zu der Erstabnahme des Fahrgeschäfts – es wurde im Jahr 2013 von der österreichischen Spezialfirma „Funtime“ entwickelt und gebaut – kommen jährliche Untersuchungen der Anlage durch den TÜV-Süd und die Bauaufsicht vor Ort.

Der "Eiffelturm" der Frankfurter Dippemess - in dieser Saison zum ersten Mal dabei. Der "Skyfall" gilt als der höchste transportable Free-Fall-Tower der Welt.

Der Förderschlitten mit der 24-sitzigen Gondel ruht in Führungsschienen und wird mithilfe von vier jeweils 60 Kilowatt starken Motoren an zwei Zugseilen gen Himmel bewegt. Allein die Gondel wiegt acht Tonnen. Das gesamte Ensemble kommt auf 120 Tonnen. Das sechsköpfige „Skyfall“-Team benötigt aber nur ein bis eineinhalb Tage Aufbauzeit. Für Goetzke sind mobile Hightech-Anlagen wie der „Skyfall“ ihren stationären Gegenstücken in den Vergnügungsparks an Sicherheit überlegen. „Wir nehmen regelmäßig beim Auf- und Abbau fast jedes Teil in die Hand und sehen jeden Schaden.“
Die Ängste der meisten Fahrgäste konzentrieren sich auf Details wie die Haltebügel, die den Abstürzenden sicher in seinen Schalensitz drücken. „Zwei Zylinder halten diese Bügel unabhängig voneinander und stufenlos in Position“, so Goetzke. Eigentlich sei dieses System für Achterbahnen mit Loopings entwickelt worden und damit für viel höhere Belastungen ausgelegt. Regelmäßig werde die Belastbarkeit der Arretierungen getestet. Sorgenfreiheit trotz Adrenalinkick will man außerdem durch tägliche Kontrollen aller sicherheitsrelevanten Teile schaffen. Da ist Computertechnik im Spiel, und viele Sicherheitsbereiche sind fehlersicher. Das heißt: Bestehen Mängel oder ist eine Kontrolle nicht ausgeführt worden, bleibt der „Skyfall“ stehen.

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Haben sich ganz oben die zwei Zughaken gelöst, beginnt der nur wenige Sekunden lange Fall, während dem praktisch keine Verbindung mehr zwischen Turm und Sitzschlitten besteht. Hier kommen die vier Bremsen ins Spiel, mit denen die Gondel abgestoppt wird. „Die arbeiten ohne Strom, ohne Reibung, ohne Abnutzung und sind vollkommen autark“, so Goetzke.

Bilder zur Frühjahrs-Dippemess 2017 in Frankfurt

Hochmagnetisierte Bremsbacken umschließen mit geringem Abstand eine sich über die gesamte Falllänge erstreckende „Finne“. Dieses schienenartige Metallteil besteht aus einer sich kontinuierlich verändernden Legierung, die die Bremskraft der beiden Magnet-Backen verändert. Je näher die Gondel dem Boden kommt, umso kräftiger wirken die Bremsen und das von ihnen produzierte Magnetfeld. Der Schlitten mit den Sitzen könne also gar nicht abstürzen, so Goetzke. Gleichzeitig ermögliche das Prinzip einen echten freien Fall. Die letzten eineinhalb Meter federn vier hydraulische Bremszylinder ab.

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