Schwulenlobby sauer über Auftritt der „Homoheiler“

Marburg - (dpa) Gegen einen für Ende Mai geplanten Kongress für Psychotherapie und Seelsorge in Marburg formiert sich Widerstand.

Bei der Tagung „Identität - der rote Faden in meinem Leben“ der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) sollen nach Angaben des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland (LSVD) drei homosexuellenfeindliche Referenten sprechen. „Sie haben den Ansatz, Homosexualität sei eine Krankheit und treten als Homoheiler auf“,sagte LSVD-Geschäftsführer Klaus Jetz in Köln. Die Akademie als Veranstalterin des Kongresses weist die Vorwürfe zurück. Von „Umpolungsversuchen“ könne keine Rede sein.

Die drei umstrittenen Referenten gehören laut Jetz evangelikalen Strömungen an und treten als „Homoheiler“ auf. „Sie suggerieren Homosexuellen: Auch du kannst heterosexuell werden“,sagte Jetz. An einer seriösen Universität wie Marburg hätten pseudowissenschaftliche Angebote wie diese nichts verloren. „Homosexualität kann und muss man nicht therapieren, sie ist eine Facette der menschlichen Sexualität“, sagte Jetz. Schon seit vielen Jahren stehe Homosexualität nicht mehr auf der Liste der Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation. „Wer versucht, einen Homosexuellen “umzupolen“, übt Psychoterror aus, das ist Indoktrination, aber keine seriöse Wissenschaft“,sagte Jetz.

Die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge aus Frankenberg weist dagegen darauf hin, dass das Oberthema des Kongresses die Identität sei. Die Referenten könnten und sollten unterschiedliche Meinungen vertreten, solange sie sich in einem soliden Diskurs bewegten. Homosexualität werde „allenfalls marginal thematisiert“. Die APS versteht sich als Plattform für christliche Therapeuten und Seelsorger.

In einem offenen Brief an Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) und die Marburger Universität hat der Lesben- und Schwulenverband seine Kritik zum Ausdruck gebracht. Zu der Tagung werden 1000 Teilnehmer erwartet. Sie findet in Räumen der Universität und in der Stadthalle statt. Den Kongress in der Stadthalle zu untersagen, sieht Vaupel keine Veranlassung. Zu einem wissenschaftlichen Diskurs gehöre die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Meinungen.

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