Speisepläne des Frühmittelalters

Forscher untersuchen Skelette vom Harheimer Gräberfeld

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Harheimer Frauenskelett: Dem Zusammenhang von Sozialstatus und Ernährung sind Wissenschaftler aus Cambridge und Frankfurt auf der Spur.

Frankfurt - Litten die Kinder der fränkischen Siedlung in Frankfurt-Harheim im frühen Mittelalter aufgrund schlechter Ernährung an Mangelerscheinungen? Und was stand bei der Bevölkerung vor mehr als 1200 Jahren auf dem Speiseplan? Derlei Fragen widmet sich ein neues Forschungsprojekt der britischen University of Cambridge in Kooperation mit dem Archäologischen Museum Frankfurt.

Um diesem Thema auf die Spur zu kommen, entnehmen Dr. Susanne Hakenbeck, Archäologie-Dozentin an der Uni Cambridge, und ihre Mitarbeiterin Proben von Skeletten aus dem fränkischen Gräberfeld von Frankfurt-Harheim. Wie die Wissenschaftlerin mitteilt, werden nur etwa ein Gramm Knochensubstanz und ein kleiner Teil der Zahnwurzel für die von den Forschern angewandten Isotopenanalysen benötigt. Der Vergleich der Substanz Dentin aus der Zahnwurzel mit dem Knochenkollagen derselben Person erlaube noch nach mehr als 1000 Jahren Rückschlüsse auf die Ernährung der Verstorbenen.

Die Forscher erhoffen sich von den Analysen wichtige Hinweise darauf, ob sich im frühen Mittelalter ein Zusammenhang zwischen Sozialstatus und Ernährung nachweisen lässt – eine auch in der heutigen Zeit hoch aktuelle Fragestellung.

Das vor wenigen Jahren bei Grabungen des Denkmalamts der Stadt Frankfurt ausgegrabene Gräberfeld von Harheim erscheint für eine solche Untersuchung bestens geeignet: Die Grabung ist mit modernen Methoden dokumentiert, die Bearbeitung des Fundmaterials ist abgeschlossen, die im Archäologischen Museum aufbewahrten Funde sind gut zugänglich.

Dazu kommt, dass dieser frühmittelalterliche Friedhof über einen längeren Zeitraum hinweg belegt war, sodass sich unter Umständen sogar Unterschiede bei der Ernährung in verschiedenen Perioden feststellen lassen können.

Viele der insgesamt 140 aufgedeckten Gräber enthielten kostbaren Schmuck, Waffen, Gürtel mit Zubehör und Speisebeigaben. Sie sind somit gut zeitlich einzuordnen. Anhand der Grabbeigaben lassen sich zudem viele Informationen über die soziale Stellung der Verstorbenen ablesen.

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Eine kleine, eigenständige Siedlung mit einem zugehörigen Ortsfriedhof wenige Kilometer nördlich des fränkischen Königshofs Franconofurd – so muss man sich den heutigen Stadtteil Harheim während des Frühmittelalters vorstellen. Erstmals ist der Ort 786 als Horheim genannt.

Um 500 dürften sich die Gründerfamilien im Einvernehmen oder im Auftrag der fränkischen Herren dort angesiedelt haben, um einen der wichtigsten überregionalen Verkehrswege – die Straße von Mainz nach Fulda – zu schützen und den stetigen Handel zu gewährleisten. Die reiche Ausstattung der Gräber zeugt vom daraus resultierenden Wohlstand der Bevölkerung. (al)

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