„Ja, sie ist wirklich weiblich“

Spezialtriebwagen Daisy erneuert Oberleitung im S-Bahntunnel

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Daisy steht auf einem Nebengleis des Vorfeldes am Frankfurter Hauptbahnhof und dieselt vor sich hin. Mit ihr wird in den nächsten 14 Tagen die Oberleitung im S-Bahntunnel erneuert.

Frankfurt -  Das ist Daisy. Sie hat so gar nichts gemein mit ihren Namens-Cousinen: Sie ist weder zerbrechlich und bescheiden wie das Gänseblümchen, noch damenhaft wie die Freundin von Donald Duck. Von Michael Eschenauer

Im Gegenteil, 82 Tonnen bringt sie auf die Waage, breit und bräsig steht sie hier auf einer Nebenstrecke des Gleisvorfeldes am Frankfurter Hauptbahnhof. Und besonders gut riechen tut sie auch nicht - eher nach Schwerdiesel und Hydrauliköl. Daisy ist das erste Großgerät, das die Bahn AG für die aktuelle Sperrung des S-Bahntunnels ab Ostersonntag bis zum 11. April nach Frankfurt geschafft hat. Der 25 Meter lange, elf Millionen Euro teure, handgefertigte TVT (steht für „Turmverbrennungstriebwagen“) und seine neunköpfige Mannschaft sollen die in die Jahre gekommenen Oberleitungen in dem 6,4 Kilometer langen „Rückgrat des S-Bahnverkehrs im Rhein Main-Gebiet“ einer „Vollinspektion“ unterziehen. Falls nötig, wird die Oberleitung abschnittsweise sogar komplett ausgetauscht. „Daisy kommt auch oft bei der Behebung von Sturmschäden zum Einsatz“, berichtet der leitende Bauüberwacher, Christoph Kaschky.Eine Acht-Stunden-Schicht kann bis zu 1,5 Kilometer Oberleitung auszutauschen. Im Tunnel müssen allerdings auch Isolatoren ausgewechselt werden, so dass man auf eine Schichtleistung von 500 Meter kommt.

„Das ist im Grunde ein Multifunktions-Oberleitungsinstandhaltungsgerät“, charakterisiert Jens Scheidemantel, er ist bei der Tunnelsanierung für die Infrastruktur verantwortlich, den mit zwei schwenkbaren Arbeitskörben und einer Arbeitsplattform ausgerüsteten Diesel-Triebwagen. Bis in eine Höhe von 30 Metern lässt sich die mittlere Bühne hochfahren. Sie ist um 360 Grad drehbar und erreicht sogar Bereiche, die tiefer als der eigentliche Zug liegen. In der Zeit vor Daisy – das Modell, von dem ganze sechs Exemplare existieren, gibt es erst seit 2010 – habe man ein Vielfaches an Personal für die gleiche Arbeit einsetzen müssen. Daisys zwei je 650 PS starke Motoren werden mit Diesel betrieben, weil der Strom bei Wartungsarbeiten sinnvollerweise abgeschaltet sein sollte. Appropos Strom. 15  000 Volt liegen normalerweise an Spannung auf der Oberleitung, erklärt Stromtechniker Frank Sträwe. Diese tödliche Spannung wird nach einem wie ein Ritual ablaufenden Frage- und Antwortspiel zwischen den Wartungstechnikern und der Stromversorgungszentrale in Borken abgeschaltet. Aber auch danach besteht Gefahr, denn es bleibt eine Restspannung von 3000 Volt im Fahrdraht. Erst wenn dieser „Saft“ über dicke Drähte abgeleitet wurde, kann „Team-Daisy“ mit seiner Arbeit beginnen.

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